Ferkai András: Wohnsiedlungen - Unser Budapest (Budapest, 2005)
ganze Konstruktion, von den zentalisierten Investitionen über die Art der Grundstückverwendung bis hin zur geschlossenen Technologie. Auch im politischen Sinne übte die Autorin scharfe Kritik, als sie Ende des zweiten Drittels der Kádár- Epoche das fehlende Recht der Bewohner auf Selbstbestimmung bemängelte, bzw. den Möglichkeiten spontaner Änderungen auf den Zahn fühlte. „Der Städtebau kann dich heute nicht mehr vornehmen, aló die Crdcharfung der Haupt- ótruktur der Siedlungen, innerhalb welcher die Geóeüóchafjt ihren eigenen Da- óeinóorganiómus geótalten muß. Die Frage lót jedoch, ob die großzügige Stadt- ókulptur Újpalotaó, ihr geóchloóóeneó Strukturóyótem, welches ódmtliche Kom- munikationóverbindungen nur über ein einzigeó Netz (Achóenkreuz) abwickelt, den mit der Cnwicklung aujfkommenden veränderten geóellóchahtlichen Ansprüchen gerecht werden kann. Wird óié im Stande óéin, an dich doviel zu ändern, wie das die älteren Stadtteile Budapeótó gezwungen waren und auch konnten, indem die die den Änderungen enUprechenden venchiedenen Wirkungskreise übernahmen. Újpalota wurde für einen gegebenen Augenblick entworfen; wad wird aus den zahlreichen Kindergärten, wenn die Stadt später veraltet? Und wird eine an einem »Verkehrdftaden« hängende Wohndiedlung dazu fähig sein, dich organidch in die Struktur Budapeótó einzufügen?" Káposztásmegyer Die Wohnsiedlung Káposztásmegyer am Nordrand von Budapest ist die größte und gleichzeitig letzte Plattenbausiedlung der Stadt: der Schwanengesang des staatlichen Wohnungsbaus. Sie steht eigentlich als Torso da, da man ursprünglich auf einem Gelände von 300 Hektar 20000 Wohnungen bauen wollte, zwischen 1984-90 jedoch nur 7900 Wohnungen verwirklicht wurden: der erste Abschnitt zur Gänze, vom zweiten Abschnitt nur ein Viertel. Drei Blocks des zweiten Abschnitts, des weiteren das Stadtzentrum des Viertels wurden der politischen Wende wegen nicht mehr gebaut. Das leere Gelände nördlich von Újpest, welches vom Szilas-Bach, der Szobier Bahnlinie, der Stadtgrenze und den Káposztásmegyerer Wasserwerken begrenzt war, hatte man schon Jahrzehnte früher zum Bau einer Wohnsiedlung bestimmt. Sein gutes Klima, die bewachsene Oberfläche, die Nähe der Wasserwerke hatten es sozusagen zur Verwendung als Wohngebiet prädestiniert. Den einzigen Nachteil bildete die weite Entfernung vom Zentrum der Stadt und daß es nicht an das Verkehrsnetz der Hauptstadt angeschlossen war. Deshalb wurde die Verwirklichung der Wohnsiedlung an den Ausbau der nord-südlichen Schnellbahn geknüpft. 1967 wurde ein landesweiter Wettbewerb für den Entwurf der Káposztásmegyerer Wohnsiedlung ausgeschrieben. Damals beschloß man auch die Inbetriebnahme der Häuserfabrik Nr. 3 ganz in der Nähe des Plangebietes, unter71