Faurest, Kristin: Zehn Budapester Plätze - Unser Budapest (Budapest, 2010)
Häusern mit ausdrucksvoller und eleganter Holzverzierung. Der Platz erhält seinen besonderen Charakter durch die ihn umgebende einheitliche Architektur und seine stattlichen Bäume. Auch einen attraktiven neuen Spielplatz gibt es hier, der stets voller lebhafter Kinder ist. Die ganze Wekerle-Siedlung begann als ein sozial fortschrittliches Projekt zur Verbesserung der Lebensqualität zahlreicher Arbeiter, von denen viele neu in der Großstadt waren. Die ursprünglichen Bewohner der Siedlung kannten sich meist nicht, sie kamen aus allen Teilen des Landes. Sie waren ein Querschnitt von Ungarn, bildeten eine Mischung von Religionen und Volkszugehörigkeit. Jede ethnische Verschiedenheit oder spezifischen Ausdrücke wurden jedoch bald in der Gemeinschaft selbst assimiliert. Reihenhäuser und kleine Mietshäuser, sowie andere Typen von Wohnstrukturen wurden hier zwischen 1909—26 für mehr als 20.000 Personen errichtet - eine Antwort auf die enorme Wohnungskrise jener Zeit. Dieser Mangel an bezahlbaren Wohnungen breitete sich im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts aus, als die Bevölkerung Budapests sich mehr als verdoppelte. Die Industrie blühte in der Stadt und am Land gab es wenig Arbeitsplätze, so dass viele Leute vom Land in die Stadt zogen. Der Wohnungsbau konnte nicht mit dem Bevölkerungszuwachs mithalten, da die Preise des Baumaterials und die Gehälter rapide wuchsen und die Inflation sehr hoch war. Eine billige, gute Wohnsiedlung nach dem Modell einer englischen Gartenstadt stellte die Lösung der Krise dar. Initiatoren waren in erster Linie der damalige Finanzminister Sándor Wekerle und der Bürgermeister von Budapest István Bárczy. Statt der geplanten 16 Typen wurden schließlich mehr als 40 Bautypen errichtet. Gartenstädte sollten - einem Konzept von Ebenezer Howard nach - mit ihrer semi-ruralen (rus in urbe) Atmosphäre den Schock jener erleichtern, die vom Dorf in die große Stadt gekommen waren. Die Gartenabteilung der Verwaltung der Wohnsiedlung half den Bewohnern ihre eigenen Gärten sowie die gemeinsamen Grünflächen der Siedlung zu bebauen. Der sandige Boden eignete sich vor allem für Obstbäume, die Bewohner erhielten vier Stück pro Wohnung, sowie Johannisbeer-Büsche. Einem Bericht nach soll die Ernte im Jahre 1917 so gut gewesen sein, dass sie durchschnittlich das Vierfache der Jahresmiete einer Familie einbrachte. Da das Essentielle des ganzen Projektes eine Verbesserung des Lebensgefühls der wirtschaftlich Benachteiligten darstellte, war der Hauptplatz der Siedlung 64