Faurest, Kristin: Zehn Budapester Plätze - Unser Budapest (Budapest, 2010)
einem Zeitpunkt lebten mehr als 15.000 Personen in diesen sicheren Häusern. Seinem Freund Per Anger nach, soll Wallenberg das Leben von mehreren 10.000 Juden gerettet haben. Obwohl sich das Hauptgetto von Budapest in der Umgebung der Großen Synagoge im VII. Bezirk befand, war die Nachbarschaft des Szent István parks auch das „internationale Getto", wo sich etwa 40.000 Juden mit Schutzbriefen in sicheren Häusern aufhielten, viele auch unter Schweizer Aufsicht. Sichere Häuser waren die unter Schweitzer Schutz stehenden Häuser am Szent István park 2, 3, 4, 8,10 und 11, aber in allen Straßen der Umgebung befanden sich ebenfalls Häuser, die unter Schutz standen. Wallenberg verschwand am Ende des Krieges, er wurde wahrscheinlich von den Russen verschleppt und eingesperrt. Sein Tod bleibt ein Geheimnis, so sehr, dass sogar in den letzten Jahren noch Geschichten über sein noch mögliches Amlebensein kursierten, als altem Mann in irgendeinem russischen Gefängnis oder Krankenhaus. Zurück zur Statue, deren Geschichte ebenfalls mysteriös ist, jedoch mit einem Happy End endete. Obwohl sie 1949 im Park aufgestellt wurde, störte sie die sowjetischen Autoritäten, die die Statue samt Sockel am Abend ihrer Einweihung im April 1949 entfernen ließen. Einige Jahre später tauchte sie - unter dem Namen Schiansentöter - vor einer pharmazeutischen Fabrik in Debrecen auf. Ein Abguss der Statue in Debrecen wurde nun wieder im Jahre 1999 im Park aufgestellt. Eine Straße in der Nähe trägt auch Wallenbergs Namen. Kos Károly tér Manche der Plätze in diesem Buch entstanden nur zufällig, als Zwischenräume, eher aus Versehen, denn durch bewusstes Planen. Dieser Platz im XIX. Bezirk jedoch, inmitten der Wekerle-Siedlung, ist klarerweise der Mittelpunkt eines grandiosen Plans. Die ein Jahrhundert alte Wekerle-Wohnsiedlung ist bis heute sehr beliebt, und man versteht leicht weshalb — sie ist die idyllische Verkörperung einer erhaltbaren, städtischen Nachbarschaft, in der man gut leben kann. Das Konzept zieht sämtliche menschlichen Grundbedürfnisse in Betracht: Die Siedlung ist schön, bequem, von menschlichen Proportionen, mit Spazierwegen, viel Grün, mit ge62