Faurest, Kristin: Zehn Budapester Plätze - Unser Budapest (Budapest, 2010)
Szent István park Dieser Platz im XIII. Bezirk gehört, wie auch Kós Károly tér, zu jener Kategorie von Plätzen, die mit viel Sorgfalt und Detail im Rahmen eines als „Gesamtkunstwerk" konzipierten Wohnviertels, geleitet von idealistischer Weltanschauung geplant wurden. Die Nähe des Parks zur Donau machte die Gegend zu einem bevorzugten Industriegebiet. Eine Landkarte aus der Mitte des Kyjahrhunderts zeigt das Pester Ufer gegenüber der Margareteninsel als reich an Fabriken. Hier befanden sich z. B. die erste ungarische Spiritusraffinerie und die einstige königliche Ziegelei, außerdem auch die Dampfmühlen, einschließlich den Victoria-, Erzsébet- und Pannönia- Mühlen. Am Szent István park selbst stand die Neuschloss-Parkettenfabrik. Der Baugrund, auf dem heute der Szent István park und seine Umgebung stehen, wurde 1933 vom Stadtrat bewilligt. Bauvorschriften setzten das Fassadensystem der Häuser fest, mit dem Donaupark Haus als elegantestem Block (XIII. Pozsonyi út 38-42; Béla Hofstätter und Ferenc Domány, 1935-36). Der Komplex um den Park herum ist das gute Beispiel eines für eine neue Ära neugeplanten Viertels, konzipiert vom Rat für öffentliche Arbeiten und den Architekten, die alles planten. Die Wohnungen und der Park wurden im Geiste einer gesundheitsbewussten Zeit geschaffen, großzügig und sorgfältig entworfen. Die Mietshäuser - anspruchsvoll und teuer konzipiert - waren weit entfernt von den historisierenden und eklektischen Wohnhäusern, sowie den moderneren sezessionistischen Gebäuden, die das Stadtbild bisher beherrschten. Die neuen Gebäude strömten eine ganz andere Atmosphäre aus, als die geschmückten, oft jedoch dunklen Häuserblocks mit Höfen in engen Gassen, welche das 19. Jahrhundert charakterisierten. Da die Höfe den munizipialen Vorschriften gemäß nur 15% des Gebäudegrundrisses einnehmen mussten, entstanden oft enge, dunkle Höfe und die ungleiche Verteilung von Licht und Schatten ließ oft die schönsten Architekturdetails nicht zur Geltung kommen. Diese neuen Häuser sollten mehr natürliches Licht und eine schöne Aussicht auf leicht erreichbare öffentliche Grünflächen sowie Sporteinrichtungen bieten. Dem Zeitgeist der damaligen Architektur entsprechend wurden sie in einer der Funktion entsprechenden Form entworfen, mit niedrigerer Innenhöhe, glatten Oberflächen und modernen Materialien. 56