Faurest, Kristin: Zehn Budapester Plätze - Unser Budapest (Budapest, 2010)
klagten, dass sie der Verordnungen wegen, höhere Preise beim Einkauf von minderwertigen Waren vom Großhändler zahlen mussten, statt diese direkt vom Erzeuger zu kaufen. Dieses bekam dann der Endverbraucher zu spüren. Der Zweite Weltkrieg brachte dem Teleki tér, genau wie dem Rest der Stadt, tragische Tage. Im Haus Teleki tér 5 rettete der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg 38 jüdische Frauen aus einer Wohnung am 5. Stock, wo sie von den Pfeilkreuzlern gefangen gehalten wurden. Im Oktober 1944 fand der „Teleki tér Pogrom” statt. Jüdische Studenten errichteten Barrikaden gegen die Pfeilkreuzler und wurden im Hofe des Hauses Népszínház utca 59 hingerichtet, während andere zusammengetrieben und in Konzentrationslager geschafft wurden. Im Herbst 1944 wurde das eine Haus neben der Kaiser Kneipe am Teleki tér zum Pfeilkreuzler-Haus. Juden wurden in den Straßen verhaftet, hierher oder in die Häuser Nr. 4, 6 und 8 gebracht. Der Teleki war auch der Ort der „Ritualmord- Legende” des Jahres 1946. Jemand hatte nach Verzehr einer Delikatesse eine Lebensmittelvergiftung erlitten. Vom Krankenwagen her rief er, jüdische Händler hätten das Fleisch lokaler Kinder hineingemischt. Hysterische Massen brachten am 8. Mai den „jüdischen Kindermörder" fast um - der konnte nur unter Polizeischutz ins Krankenhaus entkommen. Mit all diesen Gespenstern ist dies wirklich nicht einer der glücklichsten Orte der Stadt. Trotzdem kann der Besucher an heißen Tagen unter den rauschenden Kronen der alten Bäume des Parks den benachbarten dichten Verkehr fast vergessen und nach all diesen Jahren kann man noch immer einen billigen Imbiss am Markt genießen. Ferenc tér Dieser Platz im IX. Bezirkwird umgrenzt von der Bokréta, der Balázs Béla, der Berzenczey und der Tompa utca. Man kann ihn von der großen Ringstraße her entlang der Achse der Tompa utca erreichen, die in letzter Zeit revitalisiert und teilweise zur Fußgängerzone erklärt wurde. Es gibt hier zahlreiche Grünpflanzen und Straßencafds. Ursprünglich hieß er Franz Platz und war wie auch die ganze Franzstädter Gegend nach Kaiser Franz I. benannt. Der Platz teilt die einstige Hauptstraße der Gegend in zwei Teile, ebenso gibt es eine Zweiteilung in „alte” und „neue" Straßen, zwischen alten Einwohnern und Neuankömmlingen. 5'