Szablyár Péter: Turmhoch - Unser Budapest (Budapest, 2007)
Schulek wählte — die fachlichen Argumente Schmidts akzeptierend — die Formenwelt der Zeit König Bélas IV., mit dem Turm als einzige Ausnahme, so daß "die Instandsetzung bloß die Erhaltung des Geistes des Gebäudes, die Erneuerung seiner alten Gestalt verfolgt". Sein vollbrachtes Werk - dessen Neubewertung im Rahmen der umfassenden Rekonstruktion heute auch noch stattfindet - steht als bedeutendstes Werk der ungarischen neogotischen Architektur im Mittelpunkt des Budaer Panoramas, das heute Teil des Weltkulturerbes ist. Die Kirche ist 60 m lang und 24,15 m breit, das Hauptschiff 11,4 m, die Nebenschiffe je 6,6 m. Das Hauptschiff ist 16,8 m hoch, die Nebenschiffe 15,7 m. Der Matthias-Turm ist 80 m hoch, das Fragment des Béla II.-Turmes 36 m. Der Matthias-Turm ist der künstlerischste, charakteristischste Teil der Kirche. Die beiden unteren viereckigen Geschoße erinnern an den nördlichen Turm, an die Fassade aus dem 13. Jahrhundert. Die drei oberen Geschoße sind achteckig, so wie der von Schulek abgetragene originale Turm aus der Zeit des Königs Matthias. Im Fenster des vierten Geschoßes befinden sich das Matthias-Wappen und die Jahreszahl 1470. Der mit durchbrochener Galerie und Tier-Wasserspeiern gegliederte Teil über dem fünften Geschoß enthält die südlichen Treppen. Der Mathias-Turm ist auch ein Denkmal des einstigen Feuerschutzes der Hauptstadt. Bei seiner Neuerrichtung wurde — nach dem Muster der Wiener Stephanskirche-darin eine anspruchsvolle Feuerwachenbasis gestaltet, wohin im Oktober 1897 die Wache aus dem Rathaus umzog. Die Hauptstädtische Feuerwehr beanspruchte jedoch im 20. Jahrhundert diesen „mittelalterlichen’’ Beobachtungsposten nicht mehr und so wurde am 31. Mai 1911 die Turmwache aufgelöst. Während der Belagerung Budapests im Zweiten Weltkrieg erlitt der Turm schwere Schäden. Seine Instandsetzung wurde erst 1970 beendet, das Gebäude war zur jahrtausendwende jedoch in solch schlechtem Zustand, daß eine Generalrekonstruktion unumgänglich wurde, ln diesem Jahr haben nun die Arbeiten begonnen. Hoffentlich können wir vom innen und außen erneuerten Kirchturm bald wieder das herrliche Panorama der Hauptstadt genießen. 45