Prakfalvi Endre: Römisch-katholische Pfarrkirchen in Budapest - Unser Budapest (Budapest, 2003)

hatten auch die Glocken des Turms nicht verschont. Im Ersten Weltkrieg goß man Kanonen daraus, die große, Heilige-Emmerich Glocke hingegen wurde 1944 das Opfer der Kriegsbeute. Die neue, neunzig Zentner schwere Glocke wurde aus deutschen Spenden neu gegossen und zwar in der Glockengießerei der Ge­brüder Perner in Passau. (Die Reliquien der Gattin von König Stephan, der Seligen Giselia, einer bayerischen Prinzessin ruhen im Niederburger Kloster zu Passau.) Die Glocke wurde auf der Donau nach Budapest geschifft und am 20. August 1990 von Kardinal und Primas László Paskai eingesegnet. 1931 erhielt die Kirche vom Heiligen Stuhl den Rang der baiitica minor, unter den Rechten und Pflichten die damit verbunden waren, war das Wichtigste die Möglichkeit des Erlangens des vollen Ablasses (indulgentia). Auf dem Tympanon-Architrav der monumentalen Hauptfassade der Basilika können wir eine Art Zusammenfassung des Glaubens lesen, in den Worten, die Christus zu seinem Jünger Thomas spricht: Ego sum via, veritas et vita (Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; Joh 14,6). Die Perpetua Adoratio Kirche, Königin-Elisabeth-Gedächtniskirche, 1908 IX. Bezirk, Üllői út 75-77 Ci iit wirklich ein großei Heiligtum, / Diaei verehren wir am menten / Weichei Jaui um überlaaen hat / Im Teitament/ Anwesend iit hier Leib und Blut... (Kirchenlied, 1797) Die der Erinnerung an die 1898 ermordete Königin Elisabeth gewidmete Kirche war die erste Votivkirche in der Hauptstadt, den Grundstein legte der verwit­wete Franz Joseph I. am 18. Mai 1904. Das für den Bau des Gebäudes veranstal­tete Planaussschreiben brachte den Wettkampf zweier Schüler Friedrichs von Schmidt. (Schmidt hatte das Wiener Rathaus entworfen und die Restaurierungs­arbeiten am neoromanischen Dom von Fünfkirschen (Pécs) geleitet.) Schließlich siegte die neogotische Kunst des Sándor Aigner (1854-1912) über die „härtere Gotik", den strengeren Stil von Hofhauser, berichtete Gáspár Fábián, der bei den Ausführungsarbeiten mitgewirkt hatte. Der Planer mußte auf das in die Straßenfront eingekeilte Grundstück, auf beiden Seiten der Kirche ohne Querhaus die Gebäudeabschnitte des Klosters und des Altarensembles stellen. Der begrenzte Raum, sowie die Verwirklichung klau- suraler Gesichtspunkte bestimmten die Eigenartigkeit der Organisation des in­neren Raumes: das durchbrochene System der Stützpfeiler des Hauptschiffes. 29

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