Radek Tünde - Szilágyi-Kósa Anikó (szerk.): Wandel durch Migration - A Veszprém Megyei Levéltár kiadványai 39. (Veszprém, 2016)

1. Landschafts- und Gemeinschaftswandel als Folge von Migration - Prosser-Schell, Michael: Aufzeichnungen sagenhafter Erzählstücke durch Jenő Bonomi und Anna Loschdorfer im IVDE Freiburg. Minderheitenvolkskunde der Deutschen in Ungarn in der Zwischenkriegszeit

Prosser-Schell, Michael: Aufzeichnungen sagenhafter Erzählstücke 99 Erzählerin habe dann prophezeit, es werde etwas geschehen, weil der Mann im Fluss ertrunken sei, und tatsächlich sei sodann die Mühle drei Tage lang überschwemmt worden: „ ‘S Wossar is äinikruna in die Müü(l)n. Träi Toog unt träi Noocht.<i8 Die „Ingenieur“-Erzählung, die Anna Loschdorfer 1937 von einer 38jäh- rigen Erzählperson „Frau Gyurcsó, geb. Helene Nagel“ aus Garáb erhoben hat, sieht in schriftlicher Überlieferung so aus: Egy mérnök itt mért. A Plahi féle birtokot Zsunyba. Mért, mért, oszt elmérte. Egy járkált tüzes léncokval holta után.18 19 20 [Ein Ingenieur hat hier gemessen, den Grundbesitz von Plahi im Meierhof Zsurry. Er hat gemessen und gemessen und falsch gemessen. Nach seinem Tod ist er mit feurigen (oder glühenden) Ketten umhergegangen.\ Ein anderes ebenfalls von Loschdorfer 1937 aufgenommenes Stück hat wieder der bereits oben genannte, damals 72jährige Erzähler Andreas Koreny in Felsőtold dargeboten: In der sagenhaften Erzählung 1937 geht es um (nicht näher bezeichnete) Vermessungs-Ingenieure, die es mit einem verlegten und verfluchten Grenzstein zu tun haben, es deshalb auch mit der Angst zu tun bekommen und nicht wissen wohin damit: A mérnökök kiabáltak: Jaj hova tagyem?‘ Volt olyan bátor ember aki osgt kiabálta neki: ,Tedd oda, izéid meg az apáddal, ahonnan vetted,f° [Die Ingenieure schrien: О je, wohin soll ich ihn legen? ‘ Es war da ein mutiger Mensch, der ihnen zpvückschrie: ,Leg‘ ihn dorthin woher Du ihn genommen hast!' [Dazwischen ein derberFluch, sinngemäß: „Fick deinen Vater!1] Das Kriminalvergehen des „Falschen Maßes“ oder falschen Messens, des Markstein- bzw. Grenzsteinfrevels wurde seit dem Mittelalter in den erklärenden Legenden mit Irrsal oder Verdammnis des Frevlers auch nach dem Tode in der Jenseitswelt belegt, eben weil es ohne die Mittel der modernen Vermessungs­technik, sondern allein nur mit Erinnerungsbildern von Zeugen so schwer zu beweisen war. Es ist bezeichnend, wie hier, in den Erzählungen der 1930er 18 Nachlass Karasek, Reihe 5/ Mappe 27/ Blatt 176. 19 Zitiert nach den Original-Blättern von Anna Loschdorfer im Nachlass Karasek, hier: Box „Erzählgut aus dem Ungarischen“, Nr. 5/ 5296, unter Motivtitel „Feuriger Mann“. 20 Nachlass Karasek, Reihe 5/ Mappe 27/ Blatt 103.

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