Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)
Hans Hahnenkamp: Eliten der Wirtschaft im Burgenland zwischen den beiden Weltkriegen
Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es ihm bald, trotz schwerer Kriegsschäden die Fabrik in Neufeld sowie das Büro in Wien in Gang zu setzen. Bereits anfangs der Fünfzigerjahre konnte diese den österreichischen Bedarf an flüssigen Gasen für die Kühlindustrie, Ammoniak, schwefelige Säure und Salmiak decken und beträchtliche Quantitäten dieser Chemikalien exportieren. Auch in der Wirt- schaftskammer stellte er sich wieder zur Verfügung und wurde 1946 Obmann der Industriesektion. Von 1950 bis zu seinem Tod bekleidete er die Funktion des Vizepräsidenten der Kammer, war u.a. Zensor der Oesterreichischen Nationalbank und Obmannstellvertreter der Burgenländischen. Gebietskrankenkasse, 1957 starb er an den Folgen einer Operation in einem Spital in Wien. Nach ihm übernahm sein Schwiegersohn Ing. Gustav Rausch die Leitung der Fabrik. Seit 1972 ist DI Dr. Werner Frantsits Inhaber der Firma. Über 100 Jahre nach der Gründung in Neufeld wird in der Fabrik zwar keine Weinsteinsäure mehr erzeugt, aber noch immer schwefeldioxydwässrige Lösung, Ammoniaksulfitlauge, Salmiakgeist und diverse andere Chemikalien.3 Lederfabrik Spitzer Im Laufe des 17. Jahrhunderts kam die angesehene Familie nach Eisenstadt und legte sich nach dem Wohnsitz in der niederösterreichischen Gemeinde Spitz an der Donau den Namen „Spitz” bzw. „Spitzer” zu.4 Abraham Spitzer (gest. 25. September 1873 in Eisenstadt) hatte im Jahre 1817 in Unterberg-Eisenstadt eine Lederfabrik gegründet, die sich zu einer der bedeutendsten Ledererzeugungsbetriebe im Ödenburger Komitat entwickelte. Dessen Sohn Leopold Spitzer (21. Juni 1838 in Eisenstadt - 8. Feber 1897 in Eisenstadt) führte den Familienbetrieb weiter. Er war auch von 1886 - 1888 Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde. Seine beiden Söhne Emil und Moritz traten in die Firma ein und änderten den Firmenwortlaut 1906 in Leopold Spitzer s Söhne. Emil Spitzer (17. Juni 1867 in Eisenstadt - 1.10.1928 in Eisenstadt) Nach seiner Ausbildung trat er in die Firma ein und führte die Fabrik gemeinsam mit seinem Bruder Moritz. Emil Spitzer war wie sein Vater von 1910 mit Unterbrechungen bis 1928 Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, von 1925 bis 1928 Bürgermeister von Eisenstadt-Unterberg, war Ehrenkommandant der Feuerwehr, Vorsitzender der Schiedskommission des Arbeitsamtes Eisenstadt, Vorstandsmitglied der Landeskrankenkassen usw. Er engagierte sich auch in seiner Interessenvertretung und war vom 6. Mai 1925 bis zu seinem Tod am 1. Oktober 1928 Vizepräsident der Kammer, Mitglied der Industriellen Bezirkskommission, des Obereinigungsamtes und des Industriellenverbandes. Die beiden hatten nach dem Anschluss ebenfalls vor allem mit dem fehlenden Rohstoff zu kämpfen. 85