Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Hans Hahnenkamp: Eliten der Wirtschaft im Burgenland zwischen den beiden Weltkriegen

bzw. leitende Mitarbeiter waren, sondern die sich auch im öffentlichen Leben pro­filierten. Es wurde dabei nicht darauf Rücksicht genommen, ob sie nur aus reichen Familien stammten, sondern, ob sie auch Erwähnenswertes in ihrem Unternehmen selbst geleistet haben oder sich auch in ihrer Interessenvertretung bzw. in der Po­litik aktiv eingebracht haben. Daneben werden aber auch Handwerker und Kaufleute erwähnt, die in ihrem Betrieb hervorragend arbeiteten, und sich auch in der Politik oder ihrer Inte­ressenvertretung engagierten. Wegen des Umfanges des Referates habe ich nur in der schriftlichen Vorlage die zu erwähnenden Persönlichkeiten ausführlicher, einige Eliten zusätzlich dargestellt und zum besseren Verständnis auch die weitere Entwicklung und ihre Tätigkeit nach 1945 kurz skizziert, in meinem Referat aber, wegen der Kürze der vorgege­benen Zeit, darauf verzichtet. Stoober Tonwarenfabrik 1893 war Bernhard Mildner nach Stoob gekommen, wo er begann, den dort abge­bauten und seit Jahrhunderten verwendeten Ton einer gründlichen Untersuchung in chemischen Laboratorien zu unterziehen, um eine Fachschule aufzubauen. Noch im selben Jahr wurde von ihm die Tonfachschule eröffnet. Auf Grund der Ergeb­nisse der Labor-Untersuchungen entschloss sich die Domäne Esterházy, eine Ton­warenfabrik in Stoob zu errichten. Erster Direktor wurde Bernhard Mildner.1 Nach seinem Tod im Jahre 1905 übernahm Daniel Egressy (18. August 1875 Miskolcz - 7. April 1945 in Gumpoldskirchen) die Leitung der Fabrik, die er bis zur Schließung im Jahre 1928 inne hatte. Egressy besuchte die dreijährige Tonfachschule in Ungvár, die er mit ausgezeichnetem Erfolg beendete. Anschließend absolvierte er die Kunstgewerbeschule in Budapest und fand 1897 in der Tongewerbefabrik in Pecs Arbeit. 1898 ging er nach Mün­chen, wo er sich im Malen und Zeichen vervollkommnte. Im Schuljahr 1900/1901 absolvierte Egressy die staatliche Obere Gewerbeschule in Budapest und arbeitete anschließend in der Rimaszombater Tonindustrie-Übungswerkstätte, von wo er als Werkführer in die Budapester zentrale Tonindustrie-Werkstätte berufen wurde. Am 1. Feber 1906 wurde er mit der Leitung der Tonwarenfabrik in Stoob betraut. Da die Fabrik nach dem Anschluss des Burgenlandes an Österreich durch den Verlust der angestammten Absatzmärkte keine Gewinne mehr erzielte, wurde sie Ende 1928 geschlossen und Egressy am 4. Jänner 1929 gekündigt, aber schließlich als Rentmeister nach Eisenstadt versetzt, wohin er anfangs September 1929 mit seiner Familie übersiedelte. Nach seiner Pensionierung Ende 1937 zog Egressy nach Gumpoldskirchen, wo er am 7. April 1945 starb. Dem leidenschaftlichen Fo­tografen sind viele Aufnahmen von der Fabrik und von in Stoob erzeugten Waren zu verdanken.2 83

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