Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Judit Klement: Die Wirtschaftselite in Ungarn in der Zwischenkriegszeit

Hinsichtlich der Bildung kann man als allgemeine Charakter feststellen, daß die ungarische Wirtschaftselite in Mehrheit akademisch gebildet war. Das gilt auch für die europäischen Wirtschaftseliten, die ungarische Prozentzahl übersteigerte aber die europäische.13 Das Phänomen steht natürlich im Zusammenhang mit der gezeigten Of­fenheit der Wirtschaftselite der Intelligenz gegenüber. Die Multipositionalelite hatte in 80% eine akademische Bildung, und in dieser war Rechtswissenschaft dominant, wie auch im allgemein in der ungarischen Universitätsstruktur. Die juristischen Bildung galt nur unter jüdischen Elitmitglieder nicht als Alleinherschender, bei ihnen hatte die Handelsakademie eine ähnliche Bedeutung. Die Handelsakademie vertrat eine mehr praktische Schulorientierung und entsprach dem für das 19. Jahrhundert charekteris- tischen traditionellen Karriermuster mit früherem Arbeitsbeginn als beim Studenten. Die multipozitionelle Wirtschaftselite laut der Bildung und ethnisch-religiösen Zusammensetzung Rechtsum. 56,9% 31,8% 50,0% (71,4%) 50,5% Technische Uni. 16,5% 18,2% 21,1%­17,2% Andere Uni. 14,7% 13,6% 15,8%­14,2% Handelsakademie 4,6% 31,8% 10,5% (28,6%) 12,6% Mittelschule 4,6% 4,6% 2,6%­4,0% Beruf und Grundschule 2,7%­­­1,5% Zusammen 100% 100% 100% 100% 100% (N = 109) (N=44) (N=38) (N=7) (N=198) Lengyel 1993: S. 46. Die Bildung war auch vom Beruf abhängig. Die Bankiers hatten meistens eine Universitätsausbildung, die Kaufleute eher eine fachliche. Ein anderer Topos in der ungarischen Geschichtswissenschaft ist die höhere Bildung des Judentums. Es ist Tatsache, daß die jüdischen und evangelischen Konfessionen mit größerem Anteil in Mittelschulen anwesend waren, als in der Gesammtbevölkerung. Die jü­dische Multipositionalelite zeigte aber eine unter dem Elitedurchschnitt stehende Bildung, verdanken dem gefolgten alten Karriermuster mit Handelsakademie.14 Für alle Wirtschaftselite ist typisch die Segregation. Es galt auch für die un­garische, daß sie von anderen Gesellschaftschichten abgesondert lebten. Ihre Segregation war aber geringer als die von der Aristokratie. Die Mitglieder der Wirtschaftselite lebten im Durchschnitt in Wohnungen mit 6 Zimmer, die durch­schnittliche Wohnungsgröße war damals im Budapest 1,5 Zimmer. Diese Wohnun­gen waren selbstverständlich mit allem Komfort versorgt, ihre WohnungsVerhält­nisse unterschieden charakteristisch vom Durchschnitt. Die Elite selbst war aber auch heterogen. Einige lebten im Luxus, andere im Puritanismus.15 Im Fall der Wirtschaftselite in der Zwischenkriegszeit sollen wir nicht mehr allein über ihr Vermögen sprechen. Mit den Aktiengesellschaften erschien eine 78

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