Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)
Andrej Pančur: Eliten des Wirtschaftslebens im slowenischen Raum
dem Verlagswesen, der Industrie und dem Bankwesen.36 Ein Grund, warum für die sbwenische Natiomlelite gerade das Fehlen slowenischer nationaler Händler besonders schmerzhaft war. In Triest, dem größten Wirtschaftszentrum am Rande des slowenischen nationalen Gebietes, gab es in dieser Zeit zwar schon einige nationalbewusste slowenische Großhändler, dennoch stellten einheimische slowenische Zeitschriften enttäuscht fest: »Wir /.../ Slowenen brauchen einheimische /.../Händler sehr. Bei uns ist der gesamte Handel fast ausschließlich in deutschen und jüdischen Händen. «37 Schließlich haben slowenische Intellektuelle noch im 20. Jahrhundert betont, dass slowenische Händler nur die Mittler zwischen den einheimischen Käufern und den ausländischen Grossisten sind, die den Hauptanteil am Gewinn einstreichen.38 Im Gegensatz zu deutschen Gebildeten, die schon sehr früh begonnen hatten, sich für eine Industrialisierung »slowenischer Länder« einzusetzen,39 kamen unter Slowenen erst in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts erste vorsichtige Forderungen nach einer Industrialisierung auf. In den nachfolgenden Jahrzehnten setzte sich unter der jüngeren Generation slowenischer Intelligenz so die Überzeugung fest, dass die Zukunft der slowenischen Nation nicht nur in der Landwirtschaft liege, sondern vor allem in der Industrie.40 Infolge der großen landwirtschaftlichen Krise, von der das gesamte slowenische ländliche Gebiet betroffen war,41 erhofften sich slowenische Intelligenz, die Lösung für das wirtschaftliche Überleben der slowenischen Nation in einer slowenischen nationalen Industrie zu finden.42 Doch eine solche Industrie gab es - außer einiger weniger Ausnahmen - ihrer Meinung nach überhaupt nicht. Der junge slowenische Jurist, Wirtschaftswissenschaftler und Politiker Josip Agneletto (1884-1960) hat so schon im Jahr 1910 behauptet, dass die Industrie »bei uns primär in ausländischen Händen ist.«43 Auch der junge slowenische Elektrotechniker Anton Stebi (1877-1942) suchte vergebliche eine slowenische Industrie: »Wir müssen uns eingestehen, dass wir keine eigene Industrie haben, die wenigen Unternehmen, die in unseren Händen sind, fallen so wenig ins Gewicht, dass wir damit noch nicht einmal den genügsamsten Menschen satt bekommen könnten.«44 In den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg war die Mehrheit der slowenischen Nationalelite fest davon überzeugt, dass in slowenischen Ländern das Besitzbürgertum Größtenteils ausländisch sei und dass es gerade diese Ausländer seien, die den Schwerpunkt der Wirtschaftselite bilden und in den slowenischen Ländern die Schlüsselpositionen in der Wirtschaft besetzen. Gleichzeitig ließen slowenische Gebildeten bei jeder passenden Gelegenheit verlauten, dass es gerade diese Ausländer seien, die die Feinde der slowenischen Nation wären. Der slowenische pan- slawistische Publizist Franc Podgornik (1846-1904) erklärte ausländische Unternehmer kurzerhand für schädlich, weil »sie schon wegen ihrer Fremdheit von Übel sind.«45 Auf der einen Seite hieß es, dass Ausländer die slowenische Nation wirtschaftlich vernichten: »Unsere Nation arbeitet, zerstört ihre Gesundheit, gebärt schwächliche Nachkommen, aber den Profit dieser Arbeit, die Zinsen des Kapitals 62