Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Tobias Mindler: Die Medienelite des Burgenlandes. Zeitungslandschaft und Journalisten von 1921 bis 1945

17 Grundsätzlich bemühte sich Gauleiter Bürckel, der Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich, möglichst viele österreichische Zeitungen weiterhin er­scheinen zu lassen (unter den von ihm auferlegten Bedingungen), um so bessere Propaganda für die Volksabstimmung am 10. April 1938 betreiben zu können und zumindest scheinbar eine gewisse Vielfalt zu bewahren. Dies betraf jedoch weniger das Burgenland - hier wurde fast die gesamte Presse eingestellt. 18 Leider gibt es bis heute keine Forschungsergebnisse dazu, ob die täglichen Presseanordnungen der Reichsführung auch die burgenländischen Zeitungen erreichten bzw. betrafen. 19 Die vom RDP (Reichsverband der deutschen Presse) durchgeführte Kontrolle der Journalisten ging so weit, dass die zugelassenen Journalisten in verschiedene „Abteilungen” der Berufsliste (A, B, C) eingetragen wurden. Nur ein Journalist, in dessen Schriftleiter-Ausweis die Zugehörigkeit zur Abteilung A verzeichnet war, durfte in allen Ressorts - auch im politischen - tätig sein. Quelle: Hausjell, Fritz: Die Einführung und Praxis des Systems Reichspressekammer in Öster­reich in den Jahren 1938 bis 1945. Endbericht des vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung in Wien beauftragten Forschungsprojektes. Wien: o.V., 1990. S. 85. 20 Brunner, Zsuzsanna Karolina: Der Anschluss des Burgenlandes im Spiegel der Lokalpresse. Wien: Diplomarbeit, 2001. S. 94. 21 Landauer, Gerhard P.: Publizistik auf dem Gebiet des Burgenlandes (16. - 20. Jahrhundert). Wien: Dissertation, 1992. S. 151 ff. 22 Die „Grenzmark Burgenland” (spätere „Grenzmark-Zeitung”) erschien bei den ersten Ausgaben nach ihrer Gründung mit Auflagenhöhen von bis zu 40.000 Stück. Quelle: Mindler: Die Presse und ihre Journalisten, 2006. S. 60. 23 Bauer: Deutschsprachige Presse des Burgenlandes, 1977. S. 12. 24 Der sogenannte „LpE-Wert” (LpE = Leser pro Exemplar) überschritt auf jeden Fall die Höhe der Auflage. Während des Zweiten Weltkrieges und der Instrumentalisierung des Zeitungswesens durch den nationalsozialistischen Propagandaapparat wurde dies gezielt eingesetzt. So erschien immer wieder der Aufruf, Zeitungen nicht wegzuwerfen, sondern möglichst vielen anderen Per­sonen zum Lesen anzubieten. Quelle: Gauleitung der NSDAP Steiermark, Gaupropagandaamt (Hrsg.): Politischer und wirtschaftlicher Informationsdienst. o.O.: o.V., Jänner 1942. S. 6. 25 Bauer: Deutschsprachige Presse des Burgenlandes, 1977. S. 12. 26 Darin lag das Hauptaugenmerk von Viktor Bauer. Er hat für alle Zeitungen eine Auflistung der Ressorts unter Angabe der jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erstellt. 27 Bauer: Deutschsprachige Presse des Burgenlandes, 1977. S. 98 ff. 28 An dieser Stelle muss daraufhingewiesen werden, dass das Burgenland als solches in den Jahren 1938 bis 1945 nicht existierte. Die nördlichen Bezirke Neusiedl, Eisenstadt, Mattersburg und Oberpullendorf gehörten zum Gau Niederdonau, die südlichen Bezirke Oberwart, Güssing und Jennersdorf waren dem Gau Steiermark einverleibt worden. Dennoch wird bei diesem Beitrag weiterhin der Begriff „Burgenland” verwendet, welcher sich auf die heutige geographische Ab­grenzung bezieht. 29 Das NS-Regime plante 1939 die Einrichtung einer „Reichspresseschule” in Wien, dieses Unter­nehmen scheiterte jedoch. In Wien gab es aber 1939 einen Reichslehrgang für pressefachliche Fortbildung, Aufnahmeprüfungen und Abschlussprüfungen für „Schriftleiter ins Ausbildung” sowie einen „Zeitungsfachlichen Lehrgang” im Jahre 1943. Quelle: Hausjell, Fritz: Journalisten für das Reich. Der „Reichsverband der deutschen Presse” in Österreich 1938-45. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik, 1993. S. 116 ff. 30 Die untersuchte Gruppe setzte sich aus den Herausgebern, Hauptschriftleitem und Schriftleitern zusammen, also all jenen Personen, die in der Regel im Impressum angeführt wurden und haupt­beruflich für die jeweilige Zeitung tätig waren. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nur gelegentlich Beiträge schrieben, wurden nicht erfasst. 31 Mindler: Die Presse und ihre Journalisten, 2006. S. 77 ff. 167

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