Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Tobias Mindler: Die Medienelite des Burgenlandes. Zeitungslandschaft und Journalisten von 1921 bis 1945

Koczors journalistische Tätigkeit Ersten laienhaften Kontakt zu journalistischer Arbeitsweise hatte Koczor im De­zember 1929, als er bei einer Waisenhauszeitung mitarbeitete - damals war er als Erzieher in dieser Anstalt tätig. Seine Begeisterung hielt sich zu diesem Zeitpunkt in Grenzen, die Einwilligung zur Mitarbeit wurde ihm von der Leiterin des Hauses abgerungen. Im Jahre 1931 schrieb Koczor einen Artikel im „Kampf’, allerdings ist nicht bekannt, welches Thema dieser Beitrag behandelte und wann er erschien. Während der „illegalen Zeit” war er beim „Österreichischen Beobachter” Redak­teur der Burgenland-Ausgabe. Nach der Gründung des illegalen „Gaues Burgen­land” „wurde auch ein Gaupresseamt eingerichtet und Gustav Koczor zu dessen Leiter bestimmt. Er hatte in erster Linie die Aufgabe, die gaubezogenen Nachrich­ten zu erarbeiten, die der allgemeinen Pflichtausgabe angegliedert werden konn­ten.”42 Schon früh war er der „eigentliche Pressemann des Gaues Burgenland”.43 Während der Zeit des Nationalsozialismus arbeitete Koczor als Journalist für die „Grenzmark Burgenland” (spätere „Grenzmark-Zeitung”). Schon bei der Grün­dung dieses Blattes gehörte er der Redaktion an. Schließlich übergab er nach einer nur halbtägigen Einführung die Hauptschriftleitung der Zeitung an Josef Gamauf. Nach seiner offiziellen Bestellung zum Gaupresseamtsleiter in Graz hat sich Koczor bis auf weiteres offenbar nicht mehr journalistisch betätigt. Dies änderte sich erst Ende 1944, als er als Kriegsberichter in Lettland und anschließend in der Provinz Fiume (Rijeka, Kroatien) stationiert war. Die genauen Ereignisse in Koczors Leben unmittelbar nach Ende des Krieges können nicht rekonstruiert werden. Eigenen Angaben zufolge war er zuerst in ju­goslawischer und anschließend für drei Monate in englischer Kriegsgefangenen­schaft. Aus den Familienaufzeichnungen geht hervor, dass Koczor im Oktober 1948 in einem Lazarett in Linz verstorben ist. Allerdings gibt es einige Ungereimt­heiten um sein Ableben. Sein Tod im Herbst 1948 in Linz scheint nämlich in kei­nen offiziellen Quellen auf. Wegen Verstoßes gegen §§10 und 11 VG44 (illegale Tätigkeit und führende Funktion als Gaupresseamtsleiter) wurde Koczor nach dem Krieg vor dem Volks­gericht Graz angeklagt. Offenbar war sein Tod der Justiz noch nicht bekannt, denn erst im April 1956 wurde das Verfahren eingestellt. Die Kurzbiographie Koczors zeigte den Aufstieg eines Journalisten, der durch maßgebliche politische Einflüsse Karriere machte. Sie zeigt aber auch die typische Situation, dass viele Journalisten keine einschlägige Ausbildung hatten und nicht ihr Leben lang der Medienbranche treu blieben, sondern dass dieser Bereich durch eine hohe Fluktuation an Arbeitskräften geprägt war. Besonders schön zeigt das Beispiel Koczor den Elitecharakter, der einem Journalisten zugeschrieben wurde, der eigentlich weniger Journalist als politischer Fanatiker war. 164

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