Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Tobias Mindler: Die Medienelite des Burgenlandes. Zeitungslandschaft und Journalisten von 1921 bis 1945

Zu den finanziellen Verhältnissen der burgenländischen Presseleute können aufgrund fehlenden Quellenmaterials keine Angaben gemacht werden. Einige der vorliegenden Quellen deuten darauf hin, dass es in den Redaktio­nen immer wieder zu Kompetenzstreitigkeiten kam, sowohl bei der „Oberwarther Sonntags-Zeitung” als auch bei der „Grenzmark-Zeitung”. Diese waren meist durch Streitigkeiten um Machtpositionen bedingt. Die Funktion der einzelnen Betroffenen in der Partei spielte in vielen Fällen eine nicht geringe Rolle. Weiters konnte eine gewisse Fluktuation in den Redaktionen festgestellt werden. Kein einziger Mitarbeiter übte seine Funktion während der gesamten nationalsozialis­tischen Ära aus, oft handelte es sich lediglich um eine Anstellung für wenige Monate. Dies war einerseits dadurch bedingt, dass Personen für Parteiämter abgezogen wurden und somit nicht mehr die Zeit fanden, auch journalistisch tätig zu sein (auch die Kriegssituation muss hier berücksichtigt werden, denn einige Journalisten wurden zum Dienst in der Wehrmacht einberufen). Andererseits kam es aber auch immer wieder zu Kündigungen, die Gründe dafür sind jedoch nicht in allen Fällen bekannt. In den einzelnen Biographien ist der Zeitraum zwischen 1938 und 1945 am besten dokumentiert. Jedenfalls kann festgehalten werden - soweit dies eruierbar war -, dass sich nur wenige der angeführten Personen nach Ende des Krieges wei­terhin journalistisch betätigt haben. Einige verstarben im oder bald nach dem Krieg, andere wurden nach Kriegsende vor dem Volksgericht angeklagt, wieder andere blieben anscheinend unbehelligt. Auffallend ist die Tatsache, dass sich die Anklagen vor den Volksgerichten hauptsächlich auf die politischen Aktivitäten in der „illegalen Zeit” bzw. auf die Funktionen in der Partei und ihr angeschlossenen Formationen bezogen, die publizistische Rolle der Angeklagten jedoch in allen Fällen nur marginal behandelt wurde und keine weiteren Konsequenzen nach sich zog. In den vorliegenden Quellen wurde jedenfalls keine Information gefunden, dass einer der hier behandelten Mitarbeiter dezidiert einem Berufsverbot als Jour­nalist ausgesetzt gewesen wäre. Wie bereits erwähnt war der Großteil dieser Perso­nen nach dem Krieg jedoch ohnehin nicht mehr journalistisch tätig. Soweit dies mit dem vorliegenden Material belegt werden kann, lässt sich feststellen, dass es sich bei beinahe allen der hier erfassten Journalisten um „Schreib­tischtäter” handelte. Viele von ihnen waren zwar auch politisch aktiv, ihr En­gagement für den Nationalsozialismus bestand aber hauptsächlich in ihrer meinungsbildenden Tätigkeit. Ausnahmen bilden hier jedenfalls Dr. Tobias Portschy (er war Gauleiterstellvertreter) und Gustav Koczor, der sich auch an körperlichen Ausschreitungen gegen Gegner des Regimes beteiligt hat. Für den Zeitraum 1938 bis 1945 lässt sich abschließend sagen, dass die Jour­nalisten einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft genossen. Man kann sie durchaus mit dem Wort „Elite” bezeichnen. Viele junge Menschen strebten da­nach, eine journalistische Karriere einzuschlagen. 162

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