Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Tobias Mindler: Die Medienelite des Burgenlandes. Zeitungslandschaft und Journalisten von 1921 bis 1945

eine Ausbildung verfügten bzw. welcher Art diese Ausbildung war. Die ersten In­formationen über Ausbildungen liegen erst für die Periode 1938 bis 1945 vor, wo­rauf ich im nächsten Abschnitt zu sprechen komme. Aufgrund der mangelnden Kommunikatorforschung gibt es auch keine Hin­weise dazu, woher die Journalisten kamen. Waren sie Burgenländer? Oder wurde „Know How” von außen importiert? Festgehalten werden kann lediglich, dass die Funktion des Redaktionsverantwortlichen bei Parteizeitungen oftmals vom jewei­ligen Parteisekretär ausgeübt wurde. Es hat den Anschein, dass für diese Blätter nicht eigens ausgebildete Journalisten angestellt wurden. Eindeutige Befunde hier­zu liegen jedoch nicht vor. Es stellt sich die Frage, welche der für den Zeitraum 1938 bis 1945 gesicherten Informationen vermutlich auch auf die Periode 1921 bis 1938 umgelegt werden kön­nen. Der Versuch einer Antwort fällt folgendermaßen aus: 1. Der zunehmende Trend zur Professionalisierung. 2. Die besondere Rolle der Lehrerschaft (wobei auch in die­ser Periode viele Akademiker unter den Verfassern von Beiträgen zu finden waren). 3. Gab es in allen Perioden hervorstechende Persönlichkeiten, deren Namen immer wieder genannt werden. Für diesen Zeitraum ist auf jeden Fall Georg Horvath zu nennen. Der Eisenstädter Verleger prägte das Zeitungswesen nachhaltig, er gründete 1923 die „Neue Eisenstädter Zeitung”, welche bis zum April 1938 bestand und dann von den Nationalsozialisten eingestellt wurde. Horvath fungierte jedoch auch danach noch in der Zeitungsbranche, und zwar als Dmcker der nationalsozialistischen „Grenz­mark-Zeitung”. Schließlich verwarf er sich jedoch mit deren Herausgeber Dr. Tobias Portschy. Folgt man den Ausführungen Viktor Bauers zu den einzelnen Zeitungen, so hat es den Anschein, dass Horvath versucht hat, recht dominant am burgenländischen Zeitungsmarkt aufzutreten. Immer wieder kam es in der „Neuen Eisenstädter Zeitung” - einem als unabhängig deklarierten Blatt - zu „Hetzkampagnen”.27 Klar feststellen lässt sich auch, dass die Zeitungslandschaft von 1921 bis 1938 wie bereits erwähnt stark männlich dominiert war. Journalistisch tätige Frauen blieben eine Ausnahmeerscheinung. Über die finanziellen Verhältnisse der Jour­nalisten sowie die Altersstruktur oder andere soziodemographische Merkmale lassen sich mit dem bisher vorliegenden Datenmaterial keine seriösen Angaben machen. Besser ist der Forschungsstand zum Zeitraum 1938 bis 1945, der in der Folge eingehender behandelt werden soll. Journalisten 1938 bis 1945 - Versuch einer Typologisierung Während für den Zeitraum 1921 bis 1945 aufgrund der spärlichen Informationen nur eine Annäherung an eine Typologisierung möglich war, kann für den Zeitraum 1938 bis 1945 der Versuch einer Typologisierung unternommen werden.28 Zu vielen Themenbereichen können für diesen Zeitraum exaktere Angaben gemacht werden, so zum Beispiel auch zum Thema „Ausbildung”. Eine klassische 159

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