Ferenc József: Kleiner Unitarier-Spiegel. Kurzer inbegriff der geschichte, der dogmen, der kirchenverfassung und der ceremonien der unitarier-kirche (Bécs, 1879)
IV. Ceremonien - 7. Das Begräbnisz
86 Unitarier Spiegel. wäre. — Notwendig wäre es, dasz — wo die Kirchen-Gemeinde es nur vermag — der Kunstgesang eingeführt — und die Arien unserer Lieder für jeden Fall dem Kunstsinne der Gegenwart angemessen erneuet werden, — damit dieselben nicht lediglich dem Ohre lauten, sondern auch dem Herzen zusprechen sollen. Der Gebrauch des Vaterunsers wäre auch zu ändern. — Meiner Ansicht nach würde es genügen dasselbe nur nach dem Gebete — als Krone — desselben — zu sprechen und am Schlusze der Predigt gänzlich weg zu lassen. — So würde es durch die Wiederholung an seinem Werthe nichts verlieren und würde nicht zur maschinenmäszigen Gebetformel. — Dieweil es jetzt — indem es bei Austheilung des h. Abendmahles gerade viermal recitirt wird — des Menschen Seele — jedesmal — unmöglich ergreifen kann.— Der Gebrauch des Vaterunsers müszte überhaupt der Art geordnet werden,, dasz dasselbe bei einer Gelegenheit durch einen und denselben Geistlichen nicht mehr als einmal gesprochen werden solle. Das Charfreitägliche Passionssingen könnte auch zum mindesten — von dem Früh-Gottesdienste wegbleiben. — Der Erinnerung an Christi Tod könnte in einer markigen Kirchenrede schönerer Ausdruck verliehen werden, als mit dem Absingen der Passion von der Kanzel. Es gibt ja kaum einen Tag, der an Meditationsstoff so reich wäre, wie eben der Charfreitag. Die Passion könnte dann auf den nachmittägigen Gottesdienst beschränkt werden. — In diesem Falle müszte dieselbe —- natürlicher weise — abgekürtzt werden. Neigungserklärungen zur Streichung des dritten Tages der hohen Feste lassen sich hie und da schon vernehmen; beginnen wir wenigstens die Idee zur Reife zu fördern. Was soll ich betreff der Verabschiedungen sagen ? Es wäre wahrhaft schon an der Zeit dieselben aus der Begräbnisz-Ceremonie wegzulassen ; insbesondere aber die Gesangweise Verabschiedungen, als eine echte Parodie jeder Trauer! Das Volk liebt das Verabschieden— sagt man. — Wohl wahr;— aber dem Kinde macht es wohl auch Freude selbst die schönsten Bilder zu verkratzen und sein Krix-