Ferenc József: Kleiner Unitarier-Spiegel. Kurzer inbegriff der geschichte, der dogmen, der kirchenverfassung und der ceremonien der unitarier-kirche (Bécs, 1879)

IV. Ceremonien - 4. Das Abendmahl des Herrn

Ceremonien. 75 Privatwohnung' ganz in derselben Weise venabfolgt, wie in den Kirche. — Von dem Taktgefühle des Geistlichen hängt es ab den Zustand des Kranken zu berücksichtigen und bei Ertheilung des Abendmahles so die Anrede als auch das Gebet der Art einzurichten , dasz des Kranken Aufmerksam­keit nicht ermüde und derselbe in seinem allenfalls schweren Kampfe eher himmlische Hofnung gewinen, als ein Opfer der Verzweiflung werde. — Der Geistliche bedarf allgemein ge­nommen überall, insbesondere aber bei dem Umgänge mit den Kranken der höchstens Taktfülle. Auszer den obbezeichneten Zeiten gibt es noch zwei Gelegenheiten, wo das Abendmahl verabreicht wird; und zwar die Kirchenweihe — und die Synodalversammlung. — Diesz geschieht jedoch nur in jenen Kirchen-Gemeinden, in welchen die Kirchenweihe — oder die Synodalversammlung Statt fin­det und wird aus Rücksicht der Hebung dieser Feierlichkei­ten ausgeübt. Die Zeit der Verabreichung des Abendmahles wird durch den Geistlichen am vorhergehenden Sontage von der Kathe­der aus verkündet. — Die vergehende Woche wird der Re­gel nach die Reuewoche genannt und der Kirchen-Gebete Gegenstand bildet um diese Zeit die Sündenreue. Kinder vor ihrer Confirmation, die auszer sich befind­lichen Kranken, die Berauschten und die Irrsinnigen können und dürfen des h. Abendmahles nicht theilhaftig gemacht werden. — Nachdem die Sündhaften von dem Tische des Herrn nicht ausgeschloszen werden dürfen — folgt es , dasz auch Häftlinge des Abendmahles theilhaftig werden können; und es stünde im Interresse der Staatsregierung Sorge dafür zu tragen, dasz das Abendmahl des Herrn zeitweise auch den Bewohnern der Kerker verabreicht werde und diese überhaupt Religions-Unterricht — den mächtigsten Factor zur Beförderung und Erhaltung des sittlichen Lebens — ge­­nieszen sollen. Ein Zwang zur Theilnehmung an dem Abendmahle des Herrn findet in keiner Weise Statt.

Next

/
Thumbnails
Contents