Ferenc József: Kleiner Unitarier-Spiegel. Kurzer inbegriff der geschichte, der dogmen, der kirchenverfassung und der ceremonien der unitarier-kirche (Bécs, 1879)
IV. Ceremonien - 4. Das Abendmahl des Herrn
Ceremonien. 73 Beweis dessen die vielen Geräthe vom Tische des Herrn, als da sind: Teller, Becher, Tisch-Decken; deren Menge der gröszte Theil unserer Kirchen-Gemeinden besitzt und eben so viele Abzeichen des Eifers und der Opferwilligkeit der Gläubigen für eben diese Ceremonie bilden. Das Abendmahl des Herrn wird unter zweierlei Gestalt, durch Brod und durch Wein, jährlich der Regel nach viermal — und zwar an den ersten Tagen des Weihnächte — des Oster — und des Pfingstfestes — sodann am Sontage unmittelbar vor Michaeli — oder wenn dieser Tag auf einen Sontag fällt — an eben denselben Sontage nnd zwar jedesmal gelegenheitlich des Vormittags abzuhaltenden ordentlichen Gottesdienstes verabreicht. Die Art und Weise der Verabreichung ist Folgende: Der Geistliche verkündet, nachdem er die Predigt in gewohnter Weise beendet hat — von der Katheder aus, dasz das Abendmahl des Herrn verabreicht wird und fordert die Gläubigen auf, dasz sie sich zur Mahlzeit vorbereiten mögen ; — hienach steigt er vou der Katheder herab und tritt— nachdem die an dem Tische des Herrn Theil zu nehmen nicht Gesonnenen während Absingens eines eigens für diese Gelegenheit verfaszten Liedes, sich aus der Kirche entfernt haben— zu den im Kirchen-Ringe stehenden—Tische des Herrn. Der Tisch des Herrn steht für diese Gelegenheit bereits fertig gedeckt; das auf demselben in Stücke geschnittene auf Tellern gelegt befindliche Brod so — wie der ebendort in Bechern und Kelchen aufgewartete Wein ist mit einer eigens dazu bestimmten Decke überlegt. Der an den Tisch des Herrn tretende Geistliche hält — indem er die Decke bei Seite hebt — eine vorbereitende Rede, in welcher er der Regel nach die Einsetzungsweise, den Zweck und den Nutzen des Abendmahles des Herrn darstellt. — Nach beendeter Rede fordert er die Versammelten zum Gebete auf, dessen Gegenstand gewöhnlich die Sündenreue bildet und mit dem Vaterunser endet. — Nun treten die altern und geachteteren Männer in den Kirchenring und reihen sich um den Tisch herum. — Der Geistliche geht sodann inerst mit dem Teller und dem darauf befindlichen Brode— dann mit dem Becher und dem Weine