Ferenc József: Kleiner Unitarier-Spiegel. Kurzer inbegriff der geschichte, der dogmen, der kirchenverfassung und der ceremonien der unitarier-kirche (Bécs, 1879)

II. Dogmatik

42 Ünitarier Spiegel. welche uns —- gleich einfach leblosen Maschinen — in Be­wegung bringen und fortbewegen soll ; — er ist der i n u n s wirkende heilige Funke, welcher von unserem eignen Be­streben und Willen auflodert und zur himmlischen Flamme sich entfaltet, bei deren Lichte wir dem glorreichen Ziele unserer Bestimmung sicher entgegen schreiten können. 4 .) Gottes edelstes Geschöpf auf Erden—der Mensch — in sich selbst eine kleine Welt, deren Leben — wie das des All ’s— in den bewunderungswürdigsten Gesetzen grün­det.— Der Mensch wird — den Unitarier nach— in voller Unschuld, jedoch mit einer zum Guten so wie auch zum Bösen gleich empfänglichen Natur geboren. — Er hat freien Willen, mittelst dessen er selbst sich den Kranz der Tugend so wie auch das dunkle Trauergewand der Sünde verschafft.— Will er selig werden, so musz er selbst mit guten That en geschmückt sein — und hat er gesündiget, so musz er selbst dafür die Strafe erleiden und er­tragen. In beiden Fällen vertrauensvoll sich Gott ergebend, der einerseits zum Guten seine Hülfe verleihet, anderseits aber auch dem Sünder verzeihet, so dieser seine Sünde wahr­haft bereuet und den guten Wegen sich zuwendet. — Und vertrauensvoll auf Christum blickend , der zum Guten und zum Freiwerden von der Sünde uns Allen Beispiel hinter­lassen hat, in dessen Beibehalten und Befolgen unser Christen­sein besteht. 5 .) Der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen und tritt — sofern sein Ziel mit jenem seiner Nebenmenschen gemeiniglich ist—mit diesen gerne in Verbindung.— Die Uni­tarier halten die christliche Kirche für eine solche Seelen­verbindung, welche den Grundstein des durch Jesum, den Herrn, verkündeten Gottesreiches bildet. — Das Haupt dieser Kirche, welche ein und Gemeinsam da steht, ist Jesus der Herr, dessen gleiche Diener alle Jene sind, die in der Christen Versammlungen sein Evangelium verkünden und die nur rücksichtlich ihres Berufes von den Anderen unter­schieden sind; — denn — strenge genommen — ist Jeder­mann gehalten sein eigener geistliche Seelsorger zu sein. Das Gesetzbuch der christlichen Kirche — als einer zu moralischen- und Seelen-Zwecken gebildeten Gesellschaft —

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