The Hungarian Student, 1958 (3. évfolyam, 1-2. szám)

1958-10-01 / 1. szám

Befragung zeigten sie uns das in aller Eile publizierte Weißbuch und ließen durchblicken, daß wir auch noch für das darin enthal­tene Anklagematerial zur Rechenschaft gezogen werden würden. Infolge der Amnestie gaben sie uns aber trotzdem frei, aber ich hörte bald, daß im ganzen Lande Vorbereitungen für ein summari­sches Verfahren im Gange seien. Ich wußte, daß ich keine Zeit zu verlieren hatte. Ich fuhr nach Szombathely, wo ich zwei Tage lang warten mußte, bis sich eine Gelegenheit zum Überqueren der Grenze bot. Buchkritik «Flashes in the Night» Die in Literaturkritiken verwendeten Ausdrücke ändern häufig. Einige verschwinden überhaupt; andere werden mit der Zeit durch genauere und zutreffendere Bezeichnungen ersetzt. Dies ist es, was kürzlich mit dem Ausdruck «osteuropäische Literatur» geschah - in den letzten Jahren wurde er in Zeitschriften und Essais durch «Lite­ratur hinter dem Eisernen Vorhang» ersetzt. Der Ausdruck «osteuropäische Literatur» hatte immer einen etwas exotischen Beigeschmack. Wenn nicht der Autor oder der Stil für exotisch gehalten wurden, dann doch das Thema des Buches. Buda­pest galt als ebenso exotisch wie Singapore oder Bombay. Diese exo­tische Assoziation wurde nach Einführung der neuen Bezeichnung noch stärker, und zwar deshalb, weil jeder, der Lust hat, nach Singa­pore oder Bombay fahren kann, aber eine Reise nach Budapest ist unmöglich, und — was noch wichtiger ist — nur wenige verspüren den Drang, diese exotischen Eigenschaften, welche sie Budapest zu­schreiben, zu erforschen. Wer die Kurzgeschichten in «Flashes in the Night» gelesen hat, mußte sich darüber klar werden, daß diese sich keineswegs mit exo­tischen Themen befassen. Das Exotische in dieser Literatur - auch wenn sie aus Osteuropa oder von hinter dem Eisernen Vorhang kommt - besteht darin, daß sie nichts Exotisches enthält. Die Kurz­geschichten befassen sich mit den alltäglichsten Aspekten des Le-

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