The Hungarian Student, 1958 (3. évfolyam, 1-2. szám)

1958-10-01 / 1. szám

suchungskommission gebracht. Das erste Verhör bestand in der Auf­nahme unserer Personalien, und wir erhielten Quittungen für unsere Kleider und persönlichen Effekten. Dann kamen wir in die Bäder, wo wir — in Gruppen von 15 bis 16 Mann — vollständig rasiert, gebadet und desinfiziert wurden. Auch unsere Unterwäsche wurde desinfiziert. Dann kehrten wir unter Eskorte in unsere Zellen zurück, wo wir endlich - zum erstenmal seit unserer Gefangennahme - war­mes Essen erhielten. Unsere Zellen waren ungenügend geheizt, und am nächsten Tag brach eine Influenza-Epidemie aus, welche durch die Impfungen, die uns der Gefängnisarzt gegen Typhus und Scharlach (?) verab­reichte, nur noch verschlimmert wurde, doch erhielt außer den Schwerkranken niemand ärztliche Hilfe. Dadurch verschlimmerte sich der Zustand des bereits genannten tuberkulösen Studenten, bis er schließlich bewußtlos ins Spital gebracht wurde, wo er bald darauf starb. Auch am zweiten Tag fuhren sie damit fort, unsere Personalien aufzunehmen. Wir wurden von vorn und im Profil photographiert und mußten unsere Fingerabdrücke registrieren lassen. Das eigent­liche Verhör begann am dritten Tag unseres Aufenthaltes und wurde von sowjetrussischen politischen Offizieren durchgeführt. Offizielle vereidigte Dolmetscher übersetzten unsere Aussagen ins Russische, wobei ich dank meiner Russischkenntnisse feststellen konnte, daß die Dolmetscher mit uns sympathisierten. Oft übersetz­ten sie die Bemerkungen der reizbaren und ungeduldigen Gefange­nen nicht, und auch unsere Aussagen gaben sie in gemäßigteren Ausdrücken wieder. Niemand wurde körperlich mißhandelt, und oft versuchten sie, unsere Lage zu erleichtern. Die gleiche Erfahrung machte ich mit den Gefängniswärtern, die in den ersten Tagen einen rauhen Ton anschlugen, aber später buchstäblich zahmer wurden und von ihren freundlichen Gefühlen kein Hehl machten. Unser Tagesplan im Gefängnis war folgender: Tagwache um 4 Uhr morgens (westeuropäische Zeit), dann Aufräumen der Zelle, das immer ein Mann in einem täglichen Turnus besorgen mußte. Um 5.30 Uhr erhielten wir unser Frühstück, bestehend aus zwei Stück Zucker, 5 Unzen Grütze und 3,3 Unzen heißem Wasser wie auch 2 bis 3 Stücke öligen Fischs; zu dieser Zeit erhielten wir auch unsere ganze Tagesration Brot, etwa 1,8 lbs. Nach dem Frühstück wurden unsere Quartiere wieder in Ordnung gebracht, worauf wir 23 nicht mehr auf unseren Betten liegen oder auch nur auf dem Rand

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