Szemészet, 1985 (122. évfolyam, 1-4. szám)

1985 / 3. szám

Die Verweildauer des Fremdkörpers betrug bei diesen 61 Augen in 36% (n = 22) länger als 1 Monat und lag im Mittel bei 284 Tagen, wenn wir einen Fall mit 16jähriger Verweildauer ausschliessen. In 52% (n=32) befand sich der Fremdkörper 8—31 Tage im Auge. Mit 12% ist die kurze Verweildauer hier seltener, als bei den Augen mit erloschenem ERG. Diese Tatsache ist überraschend. Aber auch die Feststellung, dass sich zwischen Augen mit normalem und reduziertem ERG keine deutlichen Dif­ferenzen ergeben, weist darauf hin, dass man sich den individuellen Verlauf einer Chalkose bisher zu schematisch vorgestellt hat. Nur die Dauer seiner chemischen Wirksamkeit und nicht die Verweildauer ist verantwortlich für den akuten diffusen chalkotischen Schaden, den ein Fremdkörper verursacht. Diskussion Wir haben gesehen, dass bei 50 Augen mit erloschenem ERG die Zahl der Fälle mit langer Verweildauer des Fremdkörpers relativ gering und die der mit kurzer unerwartet hoch war. Der Vorgang, der das ERG auslöscht, beginnt also offenbar bei einem nennenswerten Teil der Augen sogleich nach der Verletzung und läuft schnell ab. Unter den 22 Augen mit erloschenem ERG, die auch nach erfolgreicher Operation nicht mehr als Lichtschein Wahrnehmung erreichten, sind 11 mit einer durchschnittlichen Verweildauer von 62 Tagen, 9 mit 18 und 2 mit 4 Tagen. Diese von diffuser akuter Chalkose betroffenen Augen sind bestefalls als solche erhalten. Hier hat sich auch durch die Vitrektomie kein Wandel ergeben. Was aber sagen wir zu den Augen mit erloschenem ERG, die sich bessern Hessen (n=14)? Prüfen wir die Lage des Fremdkörpers, so finden wir 8X eine äquatornahe, 3X eine oranahe und 3X eine retroziliare Lokalisation. Diese Situation hat sich uns schon 1971 als relativ günstig erwiesen [7, 8]. Obwohl das ERG erloschen ist, dürfte — mindestens bei den Augen, die auf einen Visus von 0,3 und mehr gebracht werden konnten ■— eine mehr lokalisierte Reaktion abgelaufen sein. Zweifellos sind die Augen mit reduziertem ERG und langer Verweildauer überwiegend solche, die eine umschriebene akute Chalkose durchgemacht haben. Das schädigende Agens ist bald nach der fibrösen Abschirmung des Infiltrates nicht mehr Kupfer, sondern die fortschreitende Fibrose. Schon vor der Vitrek­­tomie-Ära fiel auf, dass nach der operativen Eröffnung eines membrános um­mantelten Kupferinfiltrates ein chalkotischer Schub praktisch nie auftrat. IV. Augen mit chronischer Chalkose (n = 20) Eine chronische Chalkose ist nicht allein durch lange Verweildauer und ge­ringe Grösse des Fremdkörpers definiert. Entscheidend ist, dass in diesen Fällen die minimale Einwirkung von Kupferionen über Jahre erfolgt und in der Regel ebenso lange eine dramatische FunktionsVerschlechterung fehlt. Wenn wir in der 2. Gruppe nach Fällen suchen, die einzelne Charakteristika in dieser Richtung zeigen, so finden wir bei reduziertem ERG 7 von 42 [17], bei normalem ERG 8 von 19 Augen (42%). Die klassischen Symptome der Sonnenblumenkatarakt [3, 11] und perifovealer Kupfereinlagerung [4] sehen wir jedoch bei den verschiedenen Verlaufsformen der akuten Chalkose nicht [8, 9]. Aber die chronische Chalkose wird in der „klassi­schen“ Form, die von unseren Lehrern beschrieben [3, 4, 11] und bis heute für den typischen Kupferschaden gehalten wurde [1, 2], experimentell am saubersten durch kleine Kupferdrahtpartikel hervorgerufen. Diese Verletzun­gen ereignen sich vor allem in Drahtziehereien bei der Herstellung von 0,15— 131

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