Szemészet, 1910 (47. évfolyam, 1-4. szám)

1910-05-08 / 1. szám

104 Trachomkranken für ihre Reise nach einem Krankenhause und für die Heimkehr von dort Fahrkarten mit 50% Preisermässigung zu bewilligen; der Betreifende braucht nur ein sogenanntes „Armutszeugnis“ vorzuzeugen, an welchem der Arzt die Notwendigkeit einer Spitalsbehandlung bestätigt. Der Andrang von Trachomkranken an die Krankenhäuser wird sozusagen von Tag zu Tag grösser, besonders seit die neu errichteten staatlichen Augenspitäler durch die günstigen Erfolge der immer mehr in den Vordergrund tretenden operativen Behandlungsmethoden das Zutrauen der Bevölkerung immer mehr erringen. Zum Schlüsse sei noch erwähnt, dass um das Volk über das Wesen und die Gefahren der Krankheit, sowie über die Prophylaxe aufzuklären, eine „Volkstümliche Belehrung“ (in 5 Sprachen) zu vielen Tausend Exemplaren wiederholt unter der Bevölkerung der infizierten oder gefähr­deten Bezirke verteilt wird. Das immer reger werdende Verlangen des Bauernvolkes nach Zeitungen, Flugschriften usw. lässt es hoffen, dass das Volk nach und nach auch diesen primitiven, aber sehr nützlichen „Belehrungen“ folge leisten wird. Bezüglich der Erfolge, die die Trachombekämpfung in Ungarn auf­zuweisen vermag, habe ich manches in früheren Publikationen mitgeteilt1’1 2’3 und behalte mir einen ausführlichen Bericht für eine andere Gelegenheit vor. Nur kurz will ich bemerken, dass glänzende Prozentnummer über Verminderung der Zahl der Trachomkranken derzeit nicht vorhanden und auch nicht zu erwarten sind. Es wäre gefehlt, daraus auf die Erfolg­losigkeit des Verfahrens schliessen zu wollen und das Vorgehen resigniert aufzugeben. Ein massiges Sinken der Prozentuation, ja sogar in gewissen Bezirken ein ständiges stagnieren derselben muss unter den gegebenen Verhältnissen als Erfolg betrachtet werden. Dass dem so ist, bezeugen uns traurige Erfahrungen aus solchen Gemeinden und Bezirken, in welchen infolge äusserer Gründe, z. B. Vakanz einer wichtigen Ärzte­stelle, usw. die regelrechte Behandlung und Untersuchung längere Zeit lang aufgehoben oder in ungenügender Weise geführt worden war. Der Prozentsatz der Trachomkranken stieg in diesen Orten mit einer erstaunlichen Rapidität — in einigen Jahren von 2—3% auf 6—8°/o der Bevölkerung. Es mag sein, dass das Trachom eventuell in einem auf höchster Stufe der Kultur stehenden industriellen Staate ausgerottet werden kann, aber weniger entwickelte Agrarstaaten mit ärmerer und weniger gebildeten Bevölkerung müssen sich begnügen, dem Fortschreiten der Krankheit einen Damm setzen zu können. 1 Erfolge und Kosten der Trachombekämpfung in Ungarn. Archiv für Augen­heilkunde, LIU. Band, S. 48, 1905. 2 Die geographische Verbreitung des Trachoms in Ungarn. Zeitschrift für Augenheilkunde, XV. Band, S. 106, 1906. 3 Ursachen und Verbreitung der Blindheit in Ungarn. Zeitschrift für Augen­heilkunde, XIX. Band, S. 409, 1908.

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