Szemészet, 1910 (47. évfolyam, 1-4. szám)
1910-05-08 / 1. szám
100 Gebirgszügen zerstreuten Hütten im Winter wegen des hohen Schnees oft mehrere Wochen lang vollkommen abgebrochen ist. Was den Einfluss der Erwerbsverhältnisse auf die Trachombekämpfung anbelangt, kommen sehr verschiedene Motive in Betracht. Es ist leicht erklärlich, dass ein mit geringerem Trachom behafteter Arbeiter, der durch die Teilnahme an der Behandlung 2—3-mal wöchentlich wertvolle Arbeitsstunden versäumen und somit manchen Verdienst einbüssen würde, sich nur sehr ungern der regelmässigen Behandlung unterzieht, umsomehr, da er ja von der Gefährlichkeit seiner Krankheit nicht überzeugt ist und häufig trotz all der „volkstümlichen Belehrungen“ usw. auch nicht überzeugt werden kann. Andere wieder, die sich schon längere Zeit behandeln Hessen, kommen zu der Überzeugung, die Krankheit sei unheilbar, und bleiben deshalb aus. Wehrpflichtige, die an Trachom leiden, sind, falls sie nicht in Krankenhäuser geschickt werden, kaum zur ambulanten Behandlung zu bekommen, weil sie nach ihrer Heilung assentiert würden und zur aktiven Dienstleistung einrücken müssten. Aus diesen verschiedenen Gründen besteht das Krankenmaterial der Trachomordinationen zum grössten Teil aus Weibern und Schulkindern, während die Mehrzahl der erwachsenen Männer nur dann zur Behandlung kommt, wenn ihr Leiden schlimmer wird und besonders, wenn Horuhauterkrankungen eintreten. Grösser ist die Frequenz der Ordinationen dort, wo die mit Trachom behafteten Leute infolge ihrer Krankheit sich irgendwie benachteiligt fühlen, d. h. materiellen-pekuniären Schaden erleiden. Nimmt z. B. irgend eine Fabrik oder ein anderes industrielles Unternehmen, welches der Einwohnerschaft reichlichen Verdienst darbietet, nur „trachomfreie Arbeiter“ an, so lassen sich die meisten mit Trachom behafteten sehr sorgfältig behandeln. In noch höherem Masse geschieht dies in den sogenannten „Auswanderungsgebieten“, d. h. Gegenden, deren Einwohner, um Geld zu verdienen, für längere oder kürzere Zeit nach Amerika auswandern. Da das Landen von Trachomkranken, wie oben erwähnt, in den Vereinigten Staaten untersagt is, lassen sich die Leute, die die Absicht haben, nach Amerika zu reisen, regelmässig behandeln, ja sie suchen sogar zu diesem Zwecke Privatärzte auf, wenn sie zu diesen mehr Vertrauen haben. In diesen Bezirken kommt überhaupt relativ die grösste Anzahl der Trachomkranken zur Evidenz, weil die Leute ihre Augen, um unnützen Ausgaben und Reisen vorzubeugen, schon frühzeitig daheim untersuchen lassen. Den grössten Einfluss haben auf die Frequentation der Ordinationen die sommerlichen Feldarbeiten, wie überhaupt in Ungarn als Agrarstaate sich sehr vieles nach den landwirtschaftlichen Verhältnissen richtet. Während die Bevölkerung der Tiefebene ihr Brot an Ort und Stelle verdient und auch im Sommer zuhause arbeitet, befindet sich die ziemlich arme Bevölkerung der nördlichen Trachomgegenden nur im Winter zuhause. Von Mitte April angefangen bis Mitte Mai ziehen kleinere und grössere, manchmal mehrere Hunderte von Arbeitern zählende Truppen aus diesen Komitaten nach der ungarischen Tiefebene, in die westlichen und östlichen Teile des Landes, nach Mähren, Böhmen und Preussen, wo sie zumeist in grösseren Domänen, im Hochsommer als Schnitter Arbeit finden, im Frühjahr und im Herbst andere Feldarbeiten (besonders Rübenkultur) verrichten. In den Dörfern bleiben nur die Greise, ältere Frauen und