Szemészet, 1910 (47. évfolyam, 1-4. szám)

1910-05-08 / 1. szám

93 die hier deponierte Substanz als Muttersubstanz des Epidermispigmentes fungiert. Infolge der bei den liier in Betracht kommenden Erregern in weit­gehendem Masse erfolgten Anpassung an die Stoffwechselprodukte der Wirtszelle (vgl. von Prowazek, 2) ist nun im Sinne meiner Auffassung die sonst und unter anderen Verhältnissen die Bedeutung einer Abwehr­reaktion erlangende Abscheidung der plastinartigen Substanz weit davon entfernt, den Eindringling zu schädigen. Indem sich der letztere dieselbe zu eigen macht, befähigt sie ihn vielmehr, die Bedeutung eines neu zugeführten Nährsubstrates gewinnend, zu einer erneuten Fortpflanzungs­­und Vermehrungstätigkeit, bezw. zu einer Wiederaufnahme derselben. Es erhält hiernach die von den — nach Gtiemsa — roten Kügelchen repräsentierte Kernmasse mit der Umhüllung durch die sich — nach Gtiemsa — blau färbenden Plastinmassen, ivelche im Sinne eines den Erregern neu zugefiihrten Nährsubstrates verwertet iverden, die Fähigkeit zur Betätigung erneuter vegetativer Funktionen. Hierbei nimmt die Kern­masse, wie wir das von den Kernteilungen der Hämosporidien — deren in Brennpunkt der protistologischen Tagesfragen stehende Stellung zu den Flagellaten und damit zu den Leishmania-, Babesia- und Cytorhyctesarten hier nicht erörtert werden soll, — her kennen, an Volumen zu, und setzen nunmehr die Teilungen der Initialelemente ein. Bei diesen Teilungen wird nun die umhüllende blaue Plastinmasse passiv mitgenommen, ebenso wie etwa bei den mitotischen Teilungen bezw. sonstigen Kernteilungen das Protoplasma von den geteilten Kern­massen mitgenommen wird. Die Teilungen schreiten nun immer weiter fort, bis die Plastin­masse aufgebrauchl ist und kommen nunmehr in dem reifen Trachom­körper wieder die roten Elementarorganismen zum Vorschein. Aus diesem derart von Phase zu Phase entwickelten Werdegang bezw. Entwickelungsmodus würde sich als wichtigste Schlussfolgerung ergeben, dass die Elementarorganismen des Trachoms selbständig und ausserhalb der Epithelzelle vermehrungsunfähig sind und zugrunde gehen uncl dass sie vegetative Funktionen nur dann wieder von neuem entfalten können, wenn sie in eine Wirtszelle gelangen und sie dort neues Nähr­material von der Beschaffenheit der NukleolarSubstanzen, auf welche, um sie als solche verwerten zu können, eine Anpassung erfolgt ist, zugeführt erhalten. Damit soll die künstliche Kultivierungsmöglichkeit unter Bedingungen, ivelche die natürlichen Entwickelungsbedingungen mehr oder weniger vollständig imitieren, natürlich nicht als ausgeschlossen gelten. Das von v. Prowazek (2) erörterte symbiotische Verhältnis der hier in Bede stehenden Keime bezw. deren Anpassung an die Wirtszellen würde sich hiernach nicht darauf beschränken, dass reaktiv Hiillsub­­stanzen produziert werden, dasselbe würde sich vielmehr weitergehend daraufhin ausdehnen, dass auch eine Weiterentivickelung, die Ausübung vegetativer Funktionen nur mit Hülfe und unter Venvertung von sonst nur im Sinne einer Abwehrreaktion auftretenden bezw. produzierten Substanzen der Wirtszelle möglich ist. Abgeschlossen Budapest, den 17. Juli 1909.

Next

/
Thumbnails
Contents