Szemészet, 1910 (47. évfolyam, 1-4. szám)
1910-05-08 / 1. szám
88 gelegenen Epithelzelle den linken Kernpol hutpilzartig, bezw. in der Gestalt einer elegant geformten Glocke umgreifende Gebilde und wird man ohne weiteres zugeben, dass solche zierlichen, distinkten Bilder mit der Giemsamethode auch nicht entfernt zu erreichen sind. Besonders hervorzuheben ist die überaus regelmässige Yorschiebung des Hutrandes, so dass derselbe genau kreisförmig über der Kernmembran abschneidet. An dem rechten Kernpol derselben Epithelzelle bemerkt man dann noch einen zweiten, bienenkorbartig geformten Trachomkörper. Nach diesen Resultaten der E.-H.-Methode an Ausstrichpräparaten lag es nahe, dieselbe auch auf Schnittpräparate von trachomatösem Gewebe anzuwenden, wobei es allerdings dahinstand, ob und inwieweit die Trachomkörper die Einbettungsprozeduren überstehen würden. Wie die Abbildung auf Fig. 8 zeigt, haben sich die an das E.-H. Verfahren geknüpften Voraussetzungen und Erwartungen inbezug auf ihre Verwendbarkeit zur Darstellung der Trachomkörper im Gewebe als zutreffend erwiesen. Es sind genau dieselben Bilder der Trachomkörper, wie man sie in den Ausstrichpräparaten nach dem E.-H.-Verfahren gewinnt, nur dass hier zum ersten Male eine genaue Beurteilung der Lage-, Verteilungs- und Verbreitungs-Verhältnisse, sowie der Reaktionserscheinungen seitens des direkt affizierten, wie der angrenzenden Gewebe möglich geworden ist. Dagegen ist die Orientierung und Differenzierung der Trachomkörper wegen der vielen durch das Mikrotommesser zerschnittenen Epithelkerne entschieden erheblich schwieriger, wie im Ausstrichpräparat. Insbesondere kann es dem Unbeübten bei oberflächlichen Zusehen besonders bei nicht ganz feinen Schnitten leicht passieren, abgeschnittene, in anderen Ebenen liegende und daher anderen Kernen anliegend erscheinende Kernfragmente — jedoch nur von ruhenden und gleichzeitig hydropisch geschwollenen Kernen — für Trachomkörper zu halten, wenn man sich nicht streng daran hält, dass es sich in den Kernen stets um ein Gerüst handelt, während die Elementarorganismen der Trachomkörper stets isoliert liegen, und dass ferner in auch noch so, stark ödematösen Kernen mit zertrümmerten und in feinere Brockel mehr oder weniger vollständig aufgelöstem Chromatingerüst regelmässig noch das eine Unterscheidungsmöglichkeit unter allen Umständen gewährleistende Kernlcörperchen erhalten bleibt. Dieselben Unterscheidungsmerkmale kommen — bei der Suche, bezw. bei dem eventuellen Fahnden auf Trachomkörper in den Follikeln — gegenüber zerschnittenen und ödematösen (vgl. Unnas ödematöse Schwellung der Kerne, 13) Kernen von Polyblasten (Maximow) bezw. epitheloiden Zellen in Betracht. Dagegen ist eine Verwechslung mit den Fragmenten von in Mitose befindlichen Epithelzellkernen, von dunkelkernigen Leukocyten, sowie von Plasmazellen, welche sich reichlich auch in Epithelausstrichen von Trachomkranken vorfinden, mit ihren groben Chromatinmassen von vornherein ausgeschlossen. In der Abbildung auf Fig. 8 handelt es sich nun um einen Flachschnitt durch das Epithel einer Konjunktivalfalte, die in der Gegend des konvexen Tarsalrandes des linken Oberlides eines Trachomkranken, bei dem in Ausstreichpräparaten reichlich Trachomkörper nachgewiesen waren, abgetragen worden war, und zwar ist eine Stelle abgebildet, welche sich in der Nähe der der freien Konjunktivaloberfläche (auf der rechten Seite der Abbildung) befindet.