Ciubotă, Viorel - Nicolescu, Gheorge - Ţucă, Cornel (szerk.): Jurnal de operaţiuni al Comandamentului Trupelor din Transilvania (1918-1921) 2. (Satu Mare, 1998)

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276 Meinolf Arens Identitätsbewußtsein in Oberungarn als Rákóczis Land. Das durch Kriege, Einquartierungen, Seuchen, Steuerforderungen Wiens, sowie aufgrund der für Leibeigene drückender werdenen Verpflichtungen gegenüber Guts- und Grundherrn (der sie sich z. T. durch Abwanderung entzogen), erheblich entvölkerte Oberungarn, wurde durch die Wiener Zentralbehörden und adelige Latifundienbesitzer in den sogenannten Einrichtungswerken ab 1687-1711 unter merkantilistischen Prinzipien planmäßig besiedelt, wobei Sprache und ethnische Zugehörigkeit der Kolonisten im Gegensatz zu beruflicher Qualifikation und Konfessionszugehörigkeit (Katholiken und Unierte deutlich bevorzugt) keine besondere Rolle spielten: 1. Pfälzer, Würtenberger, Franken und Zipser Sachsen ließen sich als Waldbauem Bauern, Bergleute, Holzfäller und Flößer vor allen in den Komitaten Szepes, Bereg und Máramaros (z. B. Oberwischau, rum. Vişeu de Sus) nieder. 2. Einwanderung und Flucht von ruthenischen Bauern aus Rotreußen in die nordöstlichen Karpaten vor den für sie zunnehmend ungünstigeren Agrarstrukturen und den verheerenden Kriegen und Kriegsfolgen in Polennach 1648. Bis in die Gegenwart leben die Stammesverwandten der ethnographischen ostslawischen Gruppen der Bojken und Lemken in den galizischen Karpaten (Subkarpaten). 3. Im Nordosten des Komitates Máramaros kam es im Verlauf des 17. Und 18. Jahrhundert zur Einwandemg, z. T. Erstbesiedlung, der gebirgigen Wald- und Weidelandschaft durch die ostslawischen Huzulen, die sich etwa im Bezug auf ihr Lebensmodell als fast ausschließlich Gebirgsno­­madismus (Groß- und Kleinviehzüchter) in Form von Transhumanz ausübende ethnographische Gruppe, erheblich von ihrem Umfeld unterscheiden. Bemerkenswert sind deutlich reitemomadisch geprägte Verhaltensmuster der Huzulen in all ihren Siedlungsgebieten (Pokutien, Westbukowina), was auf eine Beeinflussung bzw. ursprüngliche Herkunft aus der eurasischen Steppenzone schließen lässt (ins Gebirge abgedrängte frühe Form von Kosaken oder im Spätmittelalter/Frühneuzeit aus der Vermischung von slawischen und kumanischen Gruppen hervorgegangene ethnograhische Gruppe). 4. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert begann die Einwanderung von großen Gruppen von Juden aus Galizien. Nicht nur in ihrer klassischen Rolle als Handwerker und Kaufleute in Städten, sondern auch als Bauern in der Máramaros verdienten sie ihren Unterhalt, eine im übrigen Europa für sie völlig unübliche Tätigkeit. In den Städten Oberungams stellten sie um 1930 oft mehr als ein Drittel der Bevölkerung. Neben handwerklichen und

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