Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die Husftellung. Das Ungarifcbe jagdfchloß. Impofant in feinem Äußern, feffelnd durch die Raumgeftaltung im Innern, hervorragend durch die Objekte, die darin zur Schau geftellt waren, ftand das Ungarifcbe Jagdfchloß als testes unter den linksfeitig am Teiche gelegenen Baulichkeiten — eine Zierde der Jagdausftellung, bewundert von den vielen Taufenden, die es befucbt haben. Das Gebäude — entworfen und erbaut vom Architekten Jofef Fifcber-Budapeft — trug an fich den Charakter eines alten, kaftellartigen Schloffes. Auf einem unregel­mäßigen Grundriß, in dem die Form des Bauplatzes glücklich ausgenützt war, erhob fich ein monumentales Parterregefcboß mit Ruftikaverkleidung, auf das ein in der Bau­art etwas leichter gehaltener erfter Stock mit fteilem, hohem Dache aufgefegt war. Zwei Schmalfronten, die eine dem Teiche, die andere dem Jtalienifcben Pavillon zugekehrt, fcbloffen mit giebelartigen Auf­bauen ab; die letztere krönte zudem ein fpitzer, das Ganze dominierender Rundturm. An ihnen waren auch die zwei Eingangstore angeordnet, von denen das dem Teiche zu­gekehrte, das fogenannte Bärentor, von zwei wirkungsvollen Plaftiken des Bildbauers Be= zerédy, Riefenbären darftellend, flankiert war. Durch diefes betreten wir das Innere und gelangen in den erften als Tropbäenballe eingerichteten Raum, deffen Wände eine reiche Auswahl der präcbtigften Hirfcbgeweibe, Rebkronen, Mufflonfcbnecken und Gems­krücken — alles Beuteftücke der erften Weidmänner Ungarns — fcbmückten. Von hier folgen wir dem Strome der Befucber in den zen­tral gelegenen großen, mit Glas ge­deckten Hof, der zur Aufnahme der biologifcben Ausftellung eine befon­dere Ausgeftaltung in Form eines koloffalen Dioramas erhielt. Diefer Scbauftellung lag der Gedanke zu­grunde, dem Befucber die arten­reiche Jagdfauna Ungarns in natur­getreuer Umgebung und Szenerie vorzuführen. Es war dies wohl der effektvollfte Raum des ganzen Haufes, der bei den breiten Mafien der Be­fucber lauten Beifall, beim Fach­manne angefichts der überaus ge­fcbickt geftelltenTierbilder.der hoben dermatoplafti feben Vollendung der Stopfpräparate und der gelungenen Infzenierung des Ganzen volle Aner­kennung fand. Die Kompofition und das Hintergrundbild waren Meifter­werke desMalers der königlichen un= garifeben Hofoper, Auguft Spannrafl, während die taxidermifeben Objekte Teil der biftorifeben flbteilunq. . .. i Ungarifcbes 3agdf*ioß. aus dem Htelier de s Hofpraparators Friedrich Rofonovszky ftammten. Das Gemälde im Hintergrunde ftellte an der Wand gegenüber dem Eingange den Stock der hohen Tatra, links einen Teil des Fogaras' er Gebirges und der Beskiden, rechts die nördlichen Karpatben mit dem Über­gang in die ungarifcbe Tiefebene dar. Mit Wohlgefallen ruhte das Auge auf diefer herrlichen Szenerie. Mäch­tige Felsmaffen ragen aus den waldbedeckten Kuppen der Vorgebirge in den blauen Äther hinein, umfioffen 8* 59 Bärentor. Ungarifcbes Jagdfcbloß.

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