Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat
Der Führer durch die FJusftellung. Gedanke! Es lief fo viel ftarkes Wild in den Heiden und auf um Filters-- und Zabnbeftimmung zu kümmern brauchte. Die über und die kümmerlich bedachten Nachkommen haben es den Feldern umher, daß man fich wirklich nicht guten alten Zeiten find aber unwiderruflich vorfür nötig befunden, eine Zentralftelle für Verausgabung von Wildmarken zur Hl» tersbeftimmung des Schalenwildes ins Leben zu rufen und eine Samm» lung mit Wildmarken gezeichneter Geweihe und Gehörne den Be» fucbern vorzuführen. Ein dankenswerter Einfall, der hoffentlich feine Früchte tragen wird. Ruch die kaiferlicb biologifcbe Hnftalt für Land» und Forftwirtfchaft in Dahlem bei Berlin hat die Ergebniffe ihrer Unterfucbung über die Schädlichkeit des gefiederten Raubzeuges in überficbtlicber Weife vorgeführt. Gerade diefe beiden Schauobjekte find von vielen eifrigft ftudiert worden. Und dann enthielt diefes Zim» mer an der Wand, den Fenftern gegenüber, noch eine Sammlung Fafanenjagd bei Nacbt mit Blendlaternen. von wahrhaft kapitalen und monÖlgemätde aus dem Betitle Seiner königl. Hoheit des Großherzogs von Heften. ftröfen Geweiben, Rebkronen und Deutfehes jagdfchloß. Gemskrücken, die jeden Jäger intereffierten. Wer kennt nicht die Ridingericben Stiebe? Hier fab man eine Reihe von Originalen, die dem fleißigen und gefcbickten Meifter Elias als Vorlage zu feinen Radierungen dienten. Graf Hrco-Zinneberg hat fich mit der Hergabe eines Teiles feiner in Qualität und Quantität exquifiten Münchner Sammlung ein großes Verdienft erworben. Das von Säulen flankierte Treppenbaus vermittelte den Zugang zu dem rechten Flügel des Scbloffes. Die breite rotbelegte Treppe, von einem vergoldeten, kunftvoll bandgefebmiedeten Geländer eingefaßt, teilte fich nach dem erften Hbfat). Sie führte zum Empfangsraume des Präfidenten der deutfeben Hbteilung. Hell flutete das Liebt durch das hohe und breite Fenfter über den Treppenabfat) in den weiten Raum, febarf hoben fich die Geweihe der Hrcofcben Sammlung von den Wänden ab. Links von dem Treppenaufgang hingen, wenig beachtet, einige unfebeinbare Gegenftände, die vom langen Gebrauche zeugten, Sachen, die dem wahren Weidmann ein billigendes Nicken abnötigten: ein altbannoverfches Flügelborn, ein altbannoverfches Bügelborn, ein Scbweißriemen mit Halfung, eine Siele für den Leitbund (!), die Hetjpeitfcbe eines Rüdemanns, alles Eigentum des letjtlebenden Vertreters des altbannoverfcben Jäger» bofes, des Forftmeifters a. D. Wallmann in der Göhrde. Diefe unfeheinbaren Sachen veranfehauliebten die befte Zeit des »klaffifeben« Jagdbetriebes und erinnerten den »birfchgerecbten« Jäger an Zeiten, die zum Teil weit zurückliegen. Hm Eingang zu den Sälen des rechten Flügels ftand ein ausgeftopftes Tier, vor dem wohl jeder Befucber einen Moment fteben blieb ein ausgeftopfter Biber, der beute noch in der Elbe und Mulde vor» Landgraf Ludwig VIII. mit einem Secbferzug von Hirfcben. Ölgemälde aus dem Befitje Seiner königl. Hoheit des Großberzogs von Heffen. Deutfcbes Jagdfebloß. 52