Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die Fíus ítellung. Die fürftlicb Fürftenbergfchen Domänen und zwar die Standesberrfcbaft Fürftenberg in Donauefcbingen im Großberzogtum Baden und die Sekundogenitur-Fideikommißdomäne Pürglitj in Böhmen haben fich an der Austeilung in der Weife beteiligt, daß erftere eine reiche Sammlung von Jagdwaffen aus der fürftlichen Waffenkammer in Donauefcbingen, dann das Präparat eines an einer intereffanten und feltenen Haut­Wucherung eingegangenen Rebbockes nebft zwei pbotograpbifcben Abbildungen desfelben und fcbließlich eine moderne Jagdausrüftung, verfertigt vom Donauefcbinger Sattlermeifter Habel, beiftellte, wogegen der Reft den Sammlungen und Mufeen dem Archive und dem Jagdzeughaufe der fürftlichen Domäne Pürgliö in Böhmen entftammte. Zur Austeilung gelangten uralte Wildfangnetje, von denen je ein Hochwild-, Schwarzwild-, Reh- und Wolfs­fangnet), dann ein Wildtransportnet3 und ein Dunkelzeug, das noch beute beim Einfangen lebenden Wildes und bei eingeteiltem Jagen in Gebrauch ift, zu fehen war. In der Mitte des Raumes ftanden ein alter, hölzerner Jagdwagen, welcher von Kaifer Karl IV. am 5. fluguft 1723 anläßlich feines Jagdbefucbes auf Schloß Lana bei Birfcbfabrten benütjt worden ift, und die fogenannte »Pürfcbwurft», ein Birfcbwagen aus der Bieder­meierzeit, von weiland Fürten Max, dem Vater des Flusftellers, ange» fcbafft. Weiterszeigte eine Sammlung von Jagd­waffen die Entwicklung des modernen Schieß­gewehres von der Firm» bruft bis zum moder­nen Repetiergewehr. Von den ausgeteilten 18 auserlefenen Exem­plaren verdient befon­ders hervorgehoben zu werden: ein altdeutfcbes Radfcbloßgewebr mit quadratifchem Seelen­und ebenfolcbem Ge= fcboßquerfcbnitt, welche Einrichtung gewiffer­maßen als Vorläufer des Dralles anzufeben ift; eine Drebflinte oder »Wender« mit Stein» fchloß, als Vorläufer des Repetiergewebres; eine Steinfeuer­flinte (Hinterlader) mit 6 maffiven Stablpatro» nen, als Vorläufer des Hinterladers; eine Steinfcbloß­flinte von Boutet, ge­zeichnet, »direkteur ar­tiste manerfakt ä Ver­sailles« — ein Ka= binettftück, was lu­xuriöfe Husftattung an­betrifft; dann die bereits erwähnte Karpatben­Jagdausrüftung Seiner Durchlaucht des Fürten zu Fürftenberg. Huf einem Tifcb gelangten Kartenwerke, Scbußliften, Wildftandverzeichniffe, alte Inftruktionen, Wildbret­regifter etc. zur Austeilung, unter denen die Hbfcbrift einer in Riefenformat angelegten Wildabfcbußlifte, umfaffend die Jahrgänge 1719 bis inklufive 1755, benannt: »Vierläufigen und Federwildbrets Hbfcbuß-Tabella« und ein Wildverwertungsregifter aus den Jahren 1737 bis 1750, ein mächtiger, infolge langjährigen Gebrauches febr abgenü^t auslebender Foliant, hervorzuheben wären. In erfterer fcheinen an die hundert jagdbare Tier» und Vogelarten auf, deren volkstümliche, mitunter recht originelle Nomenklatur und Schreibweife des Intereffes nicht entbehrt. Es feien hier in der Originalfcbreibweife einige Wildgattungen angeführt, die mit Rückficht auf ihr Vorkommen in diefen Gegenden vermerkt zu werden verdienen und zwar das »Schwarzwild«, der »Wolff«, die »Wildkat3«, der »Wildfcböpsz« (Muflon?), »Gembszen«, anderfeits als Kuriofitäten in Hinblick auf die Subfumierung unter den Begriff Wild die »Fledermaus«, der »Grünfpecbt«, die »Mandelkrob«, »Mauer­fcbwalben«, der »Nacbtfcbatten«, »Rotbfpecbt«, »Gelbbeinl«, »Grünbeinl«, »Rotbbeinl« u. a. Schloß Donauefcbingen. Im Vordergrund Fucbsftrecke. Alter Birfcbwagen. Alter Jagdfcblitten. Sonderausftellung des Fürften zu Fürftenberg. Sonderausftellung des Fürften zu Fürftenberg. Das Wildverwertungsregifter fowie weitere vier Bücher mit derartigen Huffcbreibungen aus dem XVIII. Jahrhundert, wie fie im Pürglit5er Schlöffe aufbewahrt werden, find infoferne beachtenswert, als fie über die Wildpreife im betreffenden Zeiträume Huffcbluß geben, außerdem aber intereffante kriegsgefcbicbt» 34

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