Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die Husftellung. fcbaftlicben Jagdfcbloffe bildete. Ein kleiner Garten mit Brunnen und Sitjbänken fowie der Scbloßbofgang, der den gedeckten Zugang vom Pavillon zum Schlöffe ermöglichte, follten den Befucber den Eindruck des intimen Scbloßcbarakters vermitteln. Unterftüt}end wirkten in diefer Richtung einerfeits die verfchiedene Höbenausbildung der rückwärtigen Front des Pavillons, anderfeits die dem Hofe zugekehrte Faffade des Jagdfcbloffes mit dem mächtigen, in die Höhe ftrebenden Giebel, dem an den Scbloßbofgang anfcbließenden erkerartigen Ausbau und die fich aus dem Bedürfniffe der Jnnenausgeftaltung ergebenden Balkoné. Über die Grundrißdispofitionen des Ausbaues fei bemerkt, daß bei denfelben das Beftreben zur Rieht» febnur diente, ein in feinen Räumen logifcb angeordnetes, vollftändig eingerichtetes und allen Bedürfniffen entfpreebendes jagdfebloß zu febaffen. Selbftverftändlicb mußte auch hier auf den Verkehr in der Husftellung und die dadurch bedingte Geblinie Rückficht genommen werden. Vom Scbloßbofgang gelangte man in die in Nußholz ausgeführte Stiegenballe, an welche fich ein kleines Entree anfebloß, das den Zugang zum Schlöffe von der Rückfeite ermöglichte, An die Halle reihte fich zur Vordeie Gartenpartie mit Scbloßkapelle. Gruppe »Kunftgewerbe«. Linken der große repräfentative Gefellfcbaftsraum mit einer geräumigen Mufiknifcbe; feitwärts von diefem war das Herren» und Spielzimmer angeordnet. Von der Halle führte nach links eine Tür in den großen Renaiffance»Speifefaal in Wacbolderbolz mit gegenüber dem Scbloßbofe gelegener Loggia. Inmitten des Saales ftand ein für acht Perfonen gedeckter Tifcb. Tafelfervice und Eßbefteck waren in Altfilber ausgeführt und mit Eichenornamenten verziert; als Tafelauffatj diente eine vergoldete Bronzegruppe »Kämpfende Hirfcbe«. Von da gelangte man durch eine kleine Office in die Herrfcbaftskücbe mit einer anftoßenden, äußerft praktifeben und rationellen Abwafcbanlage. Das Küchengefcbirr, aus Reinnickel angefertigt, das eine befondere Attraktion für die den Pavillon befuebenden Hausfrauen bildete, ftellte das Vollkommenfte dar, das die beutige Technik auf diefem Gebiete leiftet, und entipracb den weiteftgebenden Anforderungen in bezug auf Salubrität und Hygiene. Während das Parterre vor allem in alten Stilarten gehaltene Repräfentationsräume aufwies, enthielt das Obergefcboß die notwendigen Wohn» und Schlafräume. Über die Hallenftiege gelangte man zuerft in einen kleinen Vorraum, von da weiters in ein Sit3= und Wohnzimmer in braungebeiztem und naturfebwarzem Eichenbolze, fodann in einen kleinen Gefellfcbaftsraum mit Frübftückzimmer und Balkon. Aus dem Vorräume führte auf der anderen Seite der Weg in das im modernen Genre gehaltene, in gebeiztem Lärcbenbolze ausge­führte Fremdenzimmer mit anfcbließendem Toilette- und Wafcbraum für die heimkehrende Jagdgefellfchaft. Gegenüber diefen Räumen, auf der anderen Seite eines fcbmalen Korridors, war der Schlafraum für das 4 I. Teil. 25

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