Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe
Die Kunft und das Kunítgewerbe. Die Kunft und das Kunítgewerbe. Von Franz Pazem. S chon in den älteften Zeiten finden ficb Kunftwerke, welche zur Jagd in Beziehung ftehen, refpektive der Jagd ihre Entftebung verdanken. Vor allem gilt dies von Skulpturen, denn gelegentlich der angeftellten Forfchungen traf man auf Reliefs, welche — bis weit vor die mit Cbrifti Geburt eingelegte Zeitrechnung zurückweifend — ganze Jagdzüge zur Darftellung bringen. Doch find dies nur mehr oder weniger vereinzelte Fälle; im großen und ganzen war die Jagd nur feiten das Thema tur weit feltener zumGegenftande gemacht als z. B. in der Dicbtkunft; die Hauptaufgabe der Künftler lag ja damals in der Darfteilung religiöfer Motive. — Immerbin aber finden ficb auch im XII. und XIII. Jahrhundert in den größeren Scblöffern Wandmalereien,welche Jagdfzenen vorftellen. Die weitaus größten Erfolge damaligen künftlerifcben Schaffens in der Wiedergabe von auf die Jagd Bezug nehmenden Momenten find der damaligen bildenden Kunft. Speziell bei den Griechen und Römern fand ficb für diefen Zweig künftlerifcber Betätigungkeinfebr ergiebiges Feld; hauptfächlicb waren es ja der Göttermytbus und die Heroenfage, welche fo= wobl in der Malerei wie auch in der Plaftik zur Darftellung gelangten. Hucb im Mittelalter wird das Weidwerk in derBildnereiund Malerei wie auch in der HrcbitekPeter Paul Rubens: -Jagd auf den kalydonifcben Eber.« K. k. Kunftbiftorifcbes Hofmufeum, Wien. in der Buchmalerei zu fucben; von dieferi find fpäter wobl als die bedeutendften die Miniaturen zu bezeichnen, welche in dem Jagd- und Fifcbereibucbe Maximilians I. enthalten find. Nennenswert find auch die Wappenbilder, welche im Mittelalter und hauptfächlicb gegen Ende desfelben eine größere Rolle fpielten, in denen ficb des öfteren Jagdtiere oder Jagdmotive dargeftellt finden. Doch blieben dies alles nur Einzelheiten. Es war in der Natur der Zeit begründet, daß ficb die Künftler damals nur feiten mit diefen Sujets befaßten. Die Kirche zog ja nicht allein jedes künftlerifcbe Talent in ihren Dienft, fie gab auch den denkbar größten Spielraum zur Betätigung. Hllüberall fand ficb Gelegenheit zur Entfaltung künftlerifcben Wirkens; doch waren es auch hier meift die antiken Sagen, deren Geftalten in übertragener fymbolifcber Bedeutung nach cbriftlicber fluffaffung zur Darftellung kamen. Ganz anders lag die Sache damals in der Dicbtkunft; die ganze Poefie des Mittelalters ift durchwebt von Gedanken, die zur Jagd in Beziehung ftehen. Im Romane und im Epos, hauptfächlicb aber in den Heldenfagen und felbft im Minnefang, faft immer finden ficb jagdliche Erzählungen eingeflocbten. Wurde die Jagd doch auch als das Mittel angewendet, um gehaßte Perfonen durch fie aus der Welt zu fcbaffen! Und war diefe Verwertung bei allen Völkern der Fall, fo in noch erhöhtem Maße bei den Deutfcben; im Nibelungenlied und in Triftan kehren des öfteren Jagdfzenen wieder und deutfcben Urfprunges ift ja auch die ältefte, die Königsberger Jagdallegorie aus der Mitte des XIII. Jahrhunderts. 20 II. Teil. 153