Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe
Die modernen Jagdwaffen. darum auch an Strecke und Erfolg zuvorzutun. Daraus entfprang jener unerhörte Auffcbwung der Jagdwaffeninduftrie, der feitens der Fachpreffe noch kräftig gefördert wurde. Die moderne Durchfchnittsflinte, das darf man ruhig lagen, fchießt dem modernen Durcbfcbnittsfcbütjen zu gut. Die alten Flinten mit zylindrifch gebohrten, die Scbrotgarbe auf breite Fläche verteilenden Läufen verhalfen auch dem minder Geübten zu manchem Achtungserfolg, während der neue Würgelauf, den wir allerdings den Engländern ablernten (Cboke bore!) und anfänglich recht ftümperbaft nachahmten, an den Mann hinter der Flinte ganz gehörige Anforderungen itellt. Den febr konzentrierten Schuß richtig auf oder vielmehr vor das bewegliche Ziel zu werfen, ift eben nicht jedermanns Sache. Nicbtsdeftoweniger werden heutzutage immer nur Flinten mit derartiger Leiitung verlangt und in der Tat ift jeder beffere Büchtenmacher fcbon imftande, eine folcbe Flinte, deren objektive Güte dann oft in gar keinem Verhältnis zum fubjektiven Können ihres Führers ftebt, zu liefern. Flinten mit wirklicher Höcbftleiftung, das ift mit 68 bis 70 Prozent Treffern von der getarnten Anzahl der verladenen Scbrotkörner in einem Kreife von 75 Zentimeter Durchmeffer, bei durchaus gleichmäßiger Verteilung iolcbe Flinten, Taubenflinten, werden freilich nur allererfte Firmen beriteilen können, in Öfterreicb etwa Kalezky, Springers Erben, dann auch Novotny, Peteriongo und Ogris. Solche Waffen dienen dann allerdings mehr dem Taubenfcbießfport und ganz fpeziellen jagdzwecken, während für den Durcbfcbnittsbedarf, für gemifcbte Jagd, kurz als Univerfalwaffe eine Flinte Hammerless=Drilling. mit 60, ja 55prozentiger Leiftung völlig hinreicht. Anfänger und mittelmäßige Schütjen werden ficb fogar mit Vorteil einer noch mehr ftreuenden Flinte bedienen und damit mehr und reinlichere Strecke erzielen als mit der fo gerne verlangten Höcbftleiftung, das Einhalten weidgerechter Scbußdiftanzen vorausgefetzt. In diefer Beziehung wird beute überhaupt febr viel und fcbwer gefi'indigt und am allermeiften von folcben Jägern, die ficb lieber mit kleineren Erfolgen befcbeiden follten. Waffe und Scbütje müffen eben zufammengeftimmt fein. Als eigentliche Univerfalwaffe, die wirklich den meiiten Bedürfniffen vollauf genügen kann, bat ficb der Drilling, diefe geniale Erfindung des Münchner Büchfenmacbers Oberbammer, in den legten 10 Jahren ein ungeheures Feld erobert. Die alte Bücbsflinte ift durch ihn in den Hintergrund gedrängt worden, und mit gewiffem Rechte. Anfänglich hegte man gegen den Drilling ein ftarkes Mißtrauen, das ficb allmählich zu einem ftarren Vorurteil ausbildete und als folcbes felbft beute noch in eigenfinnigen Köpfen fpukt. Die erften Drillinge waren febr fcbwer, fcblecbt in der Balance und von febr matter Scbußleiftung. Heute ftebt der Drilling, fei er nun Selbftfpanner oder Habngewebr, als vollftändig durchgebildeter, fcbnittiger und böcbft fympatbifcber Typus vor uns. Seine Syfteme, auf die hier unmöglich eingegangen werden kann, find Legion; man erhält beute fcbon zuverläffige Drillinge um 200 Kronen. Um Verbreitung undAusbildungdiefereigent lieb deutfeben Waffentype bat ficb in Öfterreich befonders die ausgezeichnete Firma J. Peteriongo verdient gemacht, und die AusBockbücbsflinte. ftellung bat uns gezeigt, daß der Dreiläufer noch immer die ebarakteriftifebe Spezialität diefes leiftungsfäbigen Haufes bildet. Die Mängel, die den Vorläufern unteres modernen Drillings anhafteten, beruhten auch zum größten Teile auf Mißgriffen in der Garnierungsmetbode (Lötung). Diefe Kinderkrankheit bat das Dreilaufgewehr längft überhanden. Wird auch von Unkundigen gelegentlich behauptet, der Drilling febieße entweder Schrot oder die Kugel, gewöhnlich aber beides fcblecbt, fo ift dem die Tatfacbe entgegenzuhalten, daß fcbon wiederholt große erfte Preife im Tontaubenfcbießen mit ganz gewöhnlichen Gebraucbsdrillingen erfeboffen worden find, und daß ein Dreiläufer, deffen Kugelrobr zehn Gefcboffe nacheinander in einen Kreis von 6 bis 7 Zentimeter Durchmeffer fetjt — eine Leiftung, die felbft Scbeibenbücbfen alle Ehre macht und von unferen alten Stutjen kaum je erreicht wurde — keineswegs zu den Seltenheiten gehören. Allerdings haben ficb Konftrukteure, Bücbfenmacber und Facbgrößen des legten Jahrzehnts um keinen Waffentypus fo innig bemüht wie gerade um den Drilling, das ideale Gebraucbsgewebr. Als bandfame, leichte Birfcbwaffe bat ficb auch die Bücbsflinte mit übereinander liegenden Läufen, die fogenannte Bockbücbsflinte, recht viele Freunde erworben. Der Hauptvorzug diefer Anordnung ift aber weder in der gefälligen fcblanken Form, noch in dem geringen Gewichte, fondern vielmehr in der überaus günftigen Lage des Kugellaufes und in der fcbmalen Vifierlinie zu fuchen. Der Bücbslauf, der beim Scbuffe weit ftärker beanfpruebt wird als der Scbrotlauf (1500 bis 2500 gegen 450 bis 500 Atmoipbären), Íit3t hier in der febütjenden Tiefe des Kattens, unmittelbar an der Verriegelung. Auch kommen hier Seitenabweichungen des Gefcboffes von der Berübrungslinie mit dem Scbrotlaufe niemals vor, und Höbenabweiebungen laffen ficb bedeutend leichter paralyfieren als jene. Die meiften Ausfteller hatten auch je eine oder mehrere Bücbsflinten diefes Syftems in ihre Käften gelegt, befonders feböne Exemplare der Ferlacber Meifter Ogris und auch Peteriongo. 151