Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe

2ÄS Die Induftrie und das Gewerbe in ihren Beziehungen zur Jagd. m Die Induftrie und das Gewerbe in ihren Beziehungen zur Jagd. Von Friedrieb Déri. TT ls die initiative zur Veranftaltung der Erften Internationalen Jagdausftellung in Wien gegeben wurde I 1 und zur Beteiligung an derfelben aueb Induftrie und Gewerbe eingeladen worden waren, bat man oft * genug die Frage aufwerfen gebort, in welchem Zufammenbange die Jagd wohl zur Induftrie und zum Gewerbe fteben möge, ob überhaupt folch ein enger Zufammenbang beftebe. Noch immer ift man geneigt gewefen, Jagd und Jagdwefen mehr als eine verhältnismäßig nur wenigen fportliebenden Menfcben zugängliche und nur von wenigen ausgeübte Liebhaberei anzufeben. Wohl wurde zugegeben, daß die Jagd wertvolle Refultate liefere, daß das Wildbret als ausgezeichnetes Nahrungs­mittel diene und daß Decken, Pelze, Felle, Bälge und Federn zu verfebiedenen Steinbeil. Gebraucbsgegenftänden und als köftlicber Schmuck vielfach Verwendung finden. Doch daß die Refultate der Jagd im großen und ganzen im Leben und Hausbalte des Kultur­menfeben eine fo bedeutende Rolle fpielen und Induftrie und Gewerbe in fo umfang­reicher Weife befebäftigen, deffen war man fich in den weiteften Kreifen und felbft in foleben, die fonft nicht gewohnt find ohne Überlegung zu urteilen, nur zum geringften bewußt. Die Erfte Internationale Jagdausftellung Wien 1910 bat es fich zur Aufgabe geftellt, auch diefe Beziehungen in einem Gefamtbilde vorzuführen und es muß hervorgehoben werden, daß es ihr gelungen ift, diefe Hufgabe voll und ganz zu löfen. Die Jagdbeute, die der Jäger in vorbiftorifeber Zeit zunäcbft nur für feinen eigenen Hausbedarf ver­wendet hatte und die allenfalls noch ein wertvolles Taufcbmittel war, wurde in der Folge mehr als ein willkom­mener Beitrag zum Lebensunterbalte des Einzelnen, denn gar bald und zwar gleicberweife fortfebreitend mit dem Vordringen und der Erweiterung der Hnfiedelungen, mit der Zunahme der Kultur, der Entftebung volk­reicher Städte, wurden die Ergebniffe der Jagd gerne von Handel und Ge­werbe aufgenommen und kamen bald im wirtfcbaftlicben Leben der Völker zur Bedeutung. Hus den An­fängen der Hausinduftrie weit zurück­reichender Zeiten, beftebend in der Herftellung von Riiftzeug, Waffen, wie Steinbeil, Speer und Bogen, ent­wickelte fich bald allenthalben in den Städten eine Reihe von Gewerk­febaften, allen voran das edle und kunftvolle Handwerk der Waffen­febmiede, Gewerbe, die fich im Laufe der Zeit zu blühendem Leben aus­bildeten und dem feßbaften Bürger reichen Erwerb und manche Ehren einbrachten. Der biftorifeben Abteilung der Erften Internationalen Jagdausftellung Wien 1910 ift es gelungen, aus den bervorragendften Mufeen, öffentlichen und Privatfammlungen Waffen und Ausrüftungsgegenftände vorzuführen, wie fie in fo reicher und überfiebt­lieber Weife noch niemals zu fehen waren. Diefe in ihrer Art retrofpek­tive Ausftellung illuftrierte fo recht die der Vergangenheit angebörige Zeit in bezug auf die Wecbfelbezie­bungen der Jagd zum bürgerlichen Gewerbe. Der Zufammenbang, den wir folcbergeftalt zwifeben dem edlen Weidwerk und dem Gewerbebetriebe Pulverfack und Weidmeffer. Deutfcbes Jagdfcbloß. der Städte fich früh entwickeln feben, war, folange die Jagd ein Vorrecht privilegierter Stände blieb, aller­dings ein begrenzter. Der neueren Zeit ift es jedoch vorbehalten gewefen, mit den hemmenden Privilegien verfloffener Jahr­hunderte aufzuräumen; und mit dem Anteile und den Rechten, welche die Gemeinwefen und Grundbefitjer an der Ausübung der Jagdbarkeit auf ihren eigenen Gebieten gewannen, mit der daraus hervorgegangenen Verallgemeinerung des Jagdwefens, bat der Wert der Jagd und ihrer Erzeugniffe ftetig zugenommen und eine nie geahnte Höbe erreicht. 141

Next

/
Thumbnails
Contents