Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe

Der Handel und der Verkehr in ihren Beziehungen zur Jagd. Bahnen, die Erwirkung der zollfreien Einfuhr der Ausftellungsgegenftände und die Beftellung der Firma Schenker <6 Co. zu offiziellen Ausftellungsfpediteuren. Zunächft war die Verkehrsfektion bemüht, möglicbft weitgebende Fahrpreisermäßigungen für Befucher der Ausftellung zu erwirken, in welcher Hinficht die im Vorjahre (1908) gewährten gleichartigen Zugeftändniffe für die böbmifcbe Induftrie- und Gewerbeausftellung in Prag ein wertvolles Präzedens darboten. Die Bemühungen der Verkehrsfektion waren infoferne von Erfolg begleitet, als die k. k. Nordbabn­direktion als gefcbäftsfübrende Direktion der gemeinfamen Eifenbabndirektorenkonferenz über Befcbluß diefer letzteren vom 24. Juni 1909 unterm 19. Dezember 1909 ZI. 337 bekannt gab, daß die in der Konferenz vertretenen öfterreicbifcb-ungarifcben und bosnifcb-berzegowinifcben Eifenbahnen ficb bereit erklärten, für die Befucher der Erften Jnternationalen Jagdausftellung in Wien 1910 von wichtigeren, mehr als 50 Kilometer von Wien ent­fernten Stationen befondere Rückfabrkarten für Perfonenzüge mit 20 Prozent Fahrpreisermäßigung nach Wien auszugeben. Diefe Karten konnten gegen tarifmäßige Aufzahlung aucb zur Fahrt mit den Schnellzügen benütjt werden. In den Preis einer folcben Rückfabrkarte war noch der Betrag einer Ausftellungskarte einzurechnen, fo daß jede Rückfabrkarte zum einmaligen freien Eintritt in die Ausftellung berechtigte. Ferner wurde in der am 10. Dezember 1909 abgehaltenen gemeinfcbaftlicben Eifenbabndirektorenkonferenz befchloffen, für den Transport der lebenden Tiere, welche auf der Erften Jnternationalen Jagdausftellung zur Ausftellung gelangen, die im öfterreicbifcb-ungarifcben und bosnifcb-berzegowinifcben Eifenbabntarif, Teil I, giltig vom 1. Januar 1910, vorgefebenen Begünftigungen zu gewähren. fluch eine größere Anzahl ausländifcber Bahnen zeigte dem Ausftellungsunternebmen, wenngleich nicht durch Gewährung einer Fahrpreisermäßigung, förderndes Entgegenkommen. Die italienifcben Staats­babnen legten direkte Fahrkarten von den wicbtigften Stationen nach Wien auf, welche für die öfterreichifcbe ermäßigt waren; aucb diefe ent­eine Ausftellungs - Eintrittskarte, übernahmen die königl. baye­Staatsbabnen den Verkauf der ermäßigten Karten in Mitteilung an die Ausftellungsleitung ge­langen ließ, daß die Lloydverwaltung be­reit fei, den Teilnehmern an der Jagdaus­ftellung eine Ermäßigung von 20 Prozent auf den Tarifpreis der dalmatinifcben Poft­linien für den Fall zu bewilligen, als bei der Gefellfchaft für die Reife bis Wien die entfprecbenden Billetts gelöft werden, während bei Abnahme einer Hin- und Rückfabrkarte von Dalmatien nach Wien und zurück auf die, einen 20prozentigen Nachlaß involvierende Rückfabrkarte vom Lloyd noch weitere 10 Prozent nacbge­laffen wurden. Strecke hielten Ferner rifcben öfterreicbifcben München. Die Donau = Dampffcbiffabrts -- Gefell­fchaft gewährte die gleiche Ermäßigung wie die Bahnen; die Auftro-Amerikana­Dampffcbiffabrts-Gefellfcbaft gab Begünfti­gungen ähnlicher Art. Die Verwaltung des öfterreicbifcben Lloyd bekundete ein be= fonderes dankenswertes, noch weiter­gebendes Entgegenkommen, indem fie die Um den Landeskomitees die Koften der erforderlichen Reifen nach Wien zu verringern, wurden an das k. k. Eifenbabnminifterium und an die Südbabn-Gefellfchaft Eingaben um Gewährung von Fahrpreisermäßigungen für die nach Wien reifenden Organe jener Komitees gerichtet. Das Eifenbabnminifterium geftand eine 50pro­zentige Ermäßigung zu; die Südbabn geftattete die Benütjung der näcbftböberen Wagenklaffe gegen Bezahlung des Fabrpreifes der niedrigeren. Zur Erleichterung des Verkehrs in Wien mit dem Ausftellungsplatje wurde auf die Errichtung zweckmäßiger Straßenbahnverbindungen und Omnibuskurfe hingewirkt. Aucb die Regelung des Lobnfubr­werkes in Wien bildete den Gegenftand einer Eingabe an die k. k. niederöfterreicbifcbe Stattbalterei und wiederholter eingebender Befprecbungen mit den zuftändigen Staats- und Gemeindebehörden. Die Jagd­ausftellung bat den Anftoß zur Automobilifierung des Wiener Lobnfubrwerkes gegeben. Um dem für die Ausftellungszeit befürchteten Mangel an Unterkünften für die Ausftellungsbefucber vorzubeugen, wurde mit dem Gremium der Hoteliers in Wien nach längeren Unterbandlungen ein Überein­kommen getroffen, wonach das Gremium die Führung einer Wobnungsevidenz übernahm, in welcher alle verfügbaren Zimmer in Hotels, Penfionen und bei Privaten aufgenommen wurden. Zur Anmeldung frei­ftebender Privatunterkünfte wurde mittels eines vom Herrn Bürgermeifter mitunterfertigten Aufrufes auf­gefordert, der in der Stadt plakatiert wurde. Von den Privaten wurde ein Spefenbeitrag eingeboben. Für den Fall eintretenden Bedarfes wurden auf den fecbs großen Wiener Bahnhöfen Wobnungs- und Auskunfts­bureaux eingerichtet, für welche die Eifenbabnverwaltungen die nötigen Lokale koftenlos überließen. Um den minderbemittelten Berufsjägern den Ausftellungsbefucb zu erleichtern, wurde die Gemeinde Wien erfucbt, für den Bedarfsfall leerftebende Schulen zur Bequartierung der genannten Ausftellungsbefucber beizuftellen, wozu die Gemeinde ficb in anerkennenswerter Fürforge für unfere braven Berufsjäger bereit finden ließ. In der Ausftellung felbft wurde ein Auskunftsbureau im Fremdenverkebrspavillon eingerichtet, deffen Führung der niederöfterreicbifcbe Landesverband für Fremdenverkehr in Niederöfterreich und Wien übernahm. 133

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