Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe
c^li^ Der Handel und der Verkehr in ihren Beziehungen zur Jagd. Wildeinfuhr Wildausfuhr Mebreinfuhr Mebrausfubr Kronen Kronen Kronen Kronen Öfterreicb-Ungarn .... 105.441 3,713.017 — 3,607.576 Deutfehes Zollgebiet . . . 5,257.849 3,577.275 1,680.574 Frankreich 4,818.791 64.443 4,754.348 Italien 415.293 1,272.810 — 857-517 Belgien 519.705 2,808.500 2,288.795 Schweiz 925.547 37.039 888.508 — Man erfiebt aus diefer Zufaminenftellung, daß die öfterreicbifch-ungarifcbe Monarchie unter den in bezug auf den Wildverkebr aktiven Ländern an erfter Stelle ftebt. Weiters find in diefer Hinficht aktiv Belgien, welches im Jahre 1901 fogar mit dem Ausfuhrwerte von 5,377.209 Kronen, darunter 5,255.139 Kronen für erlegte Kaninchen (1908: 2,571.212 Kronen) alle übrigen in der Wildausfubr aktiven Länder übertraf und Italien, deffen Wildexport aus den durch Jagdgefetje gefcbütjten oberitalienifcben Gebieten bauptfächlicb nach Frankreich gerichtet ift. Frankreich ift bezüglich des Wildverkebrs ftark paffiv. Diefes reiche und konfunv kräftige Land weift die böcbfte Ziffer der Wildmebreinfubr auf. Das deutfebe Zollgebiet, obwohl auch in der Wildausfubr mit einer der öfterreiebifeb-ungarifeben Monarchie nabekommenden Ziffer vertreten, ift gleichwohl in diefem Verkehrszweige mit einem namhaften Wertbetrage paffiv und bezieht feinen Mehrbedarf zumeift, und zwar im Werte von 932.120 Mark (=50 Prozent des getarnten Einfuhrwertes) aus ÖfterreicbUngarn, demnäcbft auch aus Rußland (633.640 Mark). In hohem Maße paffiv ift auch die Schweiz, deren Manko größtenteils aus Öfterreich-Ungarn (553.750 Francs) zum weit kleineren Teile aus Deutfcbland (245.120 Francs) gedeckt wird. Die angeführten ftatiftifeben Ziffern des Wildverkebrs beleuchten die hohe Bedeutung, welche die Jagd als wirtfcbaftlicber Produktionszweig für die betreffenden Länder, vor allem für unfer Vaterland bat. Sie bringen die namhaften Werte zum Ausdruck, welche im Wege des auswärtigen Handels in dem bezeichneten Artikel zum Umfat3 gelangen. Sie weifen die überfebüffe aus, welche die Ausübung der Jagd in den einzelnen hier bebandelten Ländern für Zwecke des Wildbretbandeis nach dem Auslande zur Verfügung ftellt. Der Hpprovifionierungsverkehr. Neben diefem internationalen Austaufcbe der Jagdprodukte zur Verforgung auswärtiger Verbrauchsgebiete erfüllt die Jagd aber vor allem ihre erfte und natürlicbfte Aufgabe, indem fie den inländifcben Konfumbedarf an Wild aller Art mit den Produkten ihres Betriebes verfiebt und dadurch zur Approvifionierung der einbeiinifcben Bevölkerung mitwirkt. Diefe Funktion vollzieht ficb nach zwei verfchiedenen Riebtungen. Erftlicb in bezug auf den Lokalkonfum der Bewohner der Jagdgebiete und der in ihrer unmittelbaren Umgebung gelegenen Ortfcbaften. Die Befriedigung diefer Konfumentenkreife erfolgt, abgefeben von gewiffen Deputatbezügen des Jagd- und Forftperfonals, in der weitverbreiteten Form des direkten Verkaufes zum Regiepreife an die Anwohner — ein Vorgang, der auch den minderbemittelten Bevölkerungsfcbicbten zugute kommt und wefentlicb dazu beiträgt, das Verhältnis der Jagdinbabung zu der ländlichen Bevölkerung günftig zu beeinfluffen. Bei vielen gutsberrfcbaftlicben Jagden in der Umgebung Wiens und fonft in Niederöfterreicb, in Böhmen und Mähren ift es üblich, einen Teil des erlegten Wildes, namentlich Hafen, von der Strecke weg freibändig zu ermäßigten Preifen an die Umwohner abzulaffen. Beifpielsweife gibt die Jagdverwaltung eines Großgrundbefi^es in Mähren (Bezirk Znaim) einen namhaften Teil ihres Wildabfcbuffes, der jährlich rund 4000 Hafen, 4000 bis 5000 Rebhühner, 500 bis 1000 Fafanen und 100 Stück Rebe umfaßt, zu fehr gedrückten Preifen an den Lokalkonfum ab, und zwar Hafen zu 2 Kronen, ein Paar Rebhühner zu 1 Krone, Rebfleifcb zu 2 Kronen 40 Heller pro Kilogramm, wogegen die Preife für Wildbretbändler, welche das von ihnen erftandene Wild nach Znaim und Wien zum Verkaufe bringen, bedeutend höhere find, fo insbefondere für Hafen 2 Kronen 50 Heller pro Stück. Im Hochgebirge bildet das erlegte Gemswild eine vielbegebrte Zubuße zur Fleifcbnabrung der Bewohner der Jagdgebiete. In manchen derfelben wird die gefamte Ausbeute der Spätberbft- und Winterjagden an den Lokalkonfum zu febr mäßigen Preifen abgegeben. EinBeifpiel bieten zwei aneinander grenzende Jagdreviere in Ober-Kärnten, deren jährlicher Abfcbuß auf durchschnittlich 82 bis 85 Gemfen und 20 Stück Rebwild gefcbätjt wird. Das Gemswild wird in der Decke mit 70 Heller, Rebwild mit 1 Krone pro Kilogramm an die einheimifche Bevölkerung verkauft, welche das Wildfleifch frifcb oder geräuchert febr zu febätjen weiß und fich um die Überlaffung desfelben bei der Forftverwaltung angelegentlich bewirbt. Die Gemsböcke diefer Reviere haben aufgebrochen ein Durchschnittsgewicht von 22 bis 24 Kilogramm, erreichen jedoch mitunter auch ein folebes von Diorama. Pavillon »Fürft Hobenlobe-Oebringen«. 127