Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - II. ABSCHNITT. Die Jagd und deren Betrieb

Das Pferd und die Jagd. vorausficbtlicbe Eintretende rechtzeitig erkannt und im gegebenen Fall zur Anwendung gebracht werde. Wir müffen beute fcbon damit rechnen, daß der Verkehr in der Großftadt des Pferdes wird entraten können, und daß er dem Kraftfubrwerk wird vorbehalten bleiben. Auch das Laftenfubrwerk wird ficb, zumindeft auf den beffer gehaltenen Straßen, mehr und mehr der automatifcben Kraftführung zuwenden und fo müffen wir uns bequemen, das Pferd in jenen Rahmen einzufügen, der ihm unter diefen Vorausfetjungen zur Ver­fügung bleibt. Nie und nimmer wird jedoch die Liebe zum Pferd erkalten und ein vollkommener Erfatj für dasfelbe im Kraftfahrzeuge gefunden werden können und fo wird, wie wir dies ja bereits in Amerika, wo das Luxuspferde­gefpann neben dem Automobil voll und ganz feine Verwendung findet, feben, auch überall das Pferd zu Luxuszwecken in der Zukunft gewiß keine untergeordnete Stellung einnehmen. Niemals wird das Pferd aus dem Sportbetriebe verdrängt werden, welcher dem Liebhaber, als Selbftzweck einerfeits, die Gelegenheit bietet, fein Können zu betätigen, anderfeits aber imftande ift, eine Erprobungsftätte für den weiter zu ver­wendenden Zucbtftoff abzugeben. Niemals wird das Pferd aus dem Betrieb der Landwirtfcbaft, aus der Ver­wendung für die Forftwirtfcbaft in unwirtlichen Gegenden, wo es keine Straßen, keine Wege gibt, entfernt werden können, und damit find Geficbtspunkte geöffnet, innerhalb deren ficb die Richtung zu entwickeln bat, welche künftigbin für die Produktion der Pferde maßgebend fein muß. Es ftebt auch, was die Wehrkraft des Staates anbelangt, feft, daß, infolange von Seite der Armee Kavallerie gehalten wird und infolange die Artillerie auch über unwegfames Gelände in vollfter Fahrt ficb zur Befetjung vorgerückter Punkte wird bequemen müffen, das Pferd als notwendige Sache in der Heeresverwaltung mit in Erwägung und für diefe Leiftung der Wehrkraft in bervorragendfter Weife in Betracht zu ziehen fein wird. Darauf und dafür wird auch ftets Vorforge zu treffen fein. Es bat ficb aber auch gezeigt und zeigt ficb immer mehr, und das war auch auf der heurigen Ausftellung zu feben und zu erkennen, daß ficb, was die Frage der Wehrkraft in bezug auf Pferde anbelangt, die Verbältniffe mehr und mehr ändern und daß es untunlich erfcbeint, alle Laften in diefer Richtung auf die Schulter der die Landwirtfcbaft treibenden Bevölkerung zu überwälzen, denn gerade in dem geänderten Betriebe der Landwirtfcbaft zeigen ficb ftets mehr Momente, die gegen die Zucht jenes Pferdes fprecben, welches für die Wehrkraft des Staates in erfter Linie maßgebend ift. Da muß der Staat felbft eingreifen, da muß der Staat felbft produzieren, da muß er Geftüte anlegen und Zucbtanftalten ins Leben rufen, die danach angetan find, die Frage der Wehrkraft für jeden Fall zu fiebern; auch muß er dafür forgen, daß die für den gegebenen Fall nötigen Pferde auch ftets vorhanden und pro­duzierbar find. Viel, viel wurde auf der heurigen Ausftellung gefeben und dem Publikum gezeigt, und fo manche Schlüffe follte und konnte der eifrige Befcbauer aus dem Gefehenen ziehen; alles das, was auf der Ausftellung gefagt, alles das, was bei der Ausftellung gezeigt, alles das, was durch die Ausftellung gelehrt wurde, möge auf ertrag­reichen Boden gefallen fein und möge, als fruchtbringender Same gefät, Erfolge zeitigen zum Wohle der Sache, der wir und alle Gleichgefinnten fo warm und ganz ergeben find. 117

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