Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - II. ABSCHNITT. Die Jagd und deren Betrieb

Das Pferd und die Jagd. Die Heeresverwaltung hatte auch in diefer Abteilung Gelegenheit genommen, gleichfam typifcbe Exemplare von militärifcben Zugpferden, die die vollfte und wohlverdiente Anerkennung fanden, zur Aus­teilung zu bringen. Das kaltblütige Zugpferd brachte unfer fo wertvolle beimifcbe Nore zur Schau und fo war unterem beimifcben autocbtbonen kaltblütigen Zugpferd gerade auf der Internationalen jagdausftellung Gelegenheit gegeben, fich vor dem internationalen Publikum zu zeigen und in den weiteten Kreifen bekannt zu werden. Es ift wohl nicht zu viel gefagt, wenn behauptet wird, daß unfer beimifcber Nore das befte landwirt­fcbaftliche Arbeitspferd ift, das nach jeder Richtung bin zufriedenftellend allen jenen Anforderungen entfpricbt, welche auch die modern entwickelte Landwirtfcbaft an das Pferd ftellt. Frühreife, Genügfamkeit, Ausdauer, Widerftandsfäbigkeit, Langlebigkeit, Anpaffungsfäbigkeit an alle Verbältniffe fowobl des Bodens wie des Klimas und nicht zulegt das hochwichtige Moment, fich allen Verbältniffen, was die Zucht anbelangt, anzupaffen, teilen unfer norifcbes Pferd weit über alle anderen Konkurrenten im kalten Blut, die, wohl exterieuriftifcb zur mög­licbften Vollkommenheit durcbzücbtet und am Ausftellungspla^ unterem Noren überlegen, doch in der Arbeit felbft niemals mit diefem konkurrenzfähig find. Daß die langjährige Mühe und der Fleiß, welchen die leitenden Kreife an die Durcbzücbtung unteres Noren verwendeten, beftrebt die Zucht zu beben und zu verbeifern, von vollem Erfolge begleitet waren, bat die Austeilung deutlich bewieten, denn es konnten auch exterieuriftifcb voll gelungene Exemplare zur Schau gebracht werden. Mit der V. Gruppe, den Geftüten, treten die temporären Austeilungen ausfchließlicb in das Zeichen des Betriebes der Pferdezucht. Dem regfamen Spezialkomitee unter Führung Sr. Durchlaucht Fürten Taffilo Feftetics war es im Laufe der Sommerszeit gelungen, die Beteiligung aus beiden Reicbsbälften zu fiebern. Die An­meldungen floffen derart zahlreich ein, daß diefe Abteilung in zwei Serien durchgeführt werden mußte. Von vorneherein war in Ausficht genommen die Anzahl der von jedem Geftüt auszuteilenden Pferde zu limitieren, und zwar auf die Normalzabl von 8 Stück, um fo bei der Austeilung nicht bloß die einzelnen Geftüte vertreten zu fehen, fondern die Vertretung auch derartig durchgeführt zu wiffen, daß in derfelben der Typus und die Zucbtricbtung des Geftütes felbft zur Veranfcbaulicbung gebracht werden konnten. Die altbewährten, rübmlicbft bekannten Geftüte aus beiden Reicbsbälften beteiligten fieb an diefer Austeilung, und es war wirklich Auserlefenes, was dem Publikum gezeigt wurde. Englifcbes Halbblut, orientalifebes Voll- und Halbblut, auch die febwere Zucht kam, und zwar durch ein belgifcbes Geftüt, zur Austeilung, fo daß eine Fülle von Sehenswertem in diefer Abteilung geboten war. Ganz befonders zahlreich war die Beteiligung von Seite Galiziens, die die zweite Serie vollauf ausfüllte, eine Beteiligung, die die erfreuliche Tatfache erwies, daß heute die Pferdezucht diefes Landes und fpeziell der Geftütsbetrieb noch in Flor find, und daß fowobl arabifebes Vollblut als auch orientalifebes Halbblut und englifcbes Halbblut in vorzüglicher Weife gezüchtet werden. Diefes fo hochwichtige Faktum, welches fpeziell die Wehrfähigkeit unferer diesfeitigen Reicbsbälfte berührt, durfte nicht unerwähnt bleiben, denn es deutet darauf bin, daß in Galizien, um einen gewiffen Rückhalt in bezug auf die Wehrkraft zu fchaffen, vor allem die Edelzucbt zu fördern und zu unterftütjen ift. Die Beteiligung von Bosnien mit dem Geftüt Gorazda und den für die Landeszucbt in Verwendung ftebenden Reproduktoren war überaus intereffant fowie lehrreich und zeigte von dem Streben der bosnifeben Landesregierung, in den neu angegliederten Provinzen für die Pferdezucht Erfprießlicbes fchaffen zu wollen. Auch die Heeresverwaltung, nämlich das Minifterium für Landesverteidigung, beteiligte fich an diefer Abteilung durch die Entfendung von im Befitje diefer hoben Stelle befindlichen Mutterftuten, die zum Zucht­betriebe und zur Aufzucht der Fohlen an Privatzüchter binausgegeben werden, eine Inftitution, welche vorausfichtlich eine ftets mehr und mehr umfiebgreifende Verallgemeinerung erfahren wird. Die VI. Abteilung endlich, die Scblußabteilung der temporären Pferdeausftellungen, bildete gewiß den Höbepunkt der Veranftaltungen und es kann kühn behauptet werden, daß wohl kaum jemals wieder, gewiß aber nicht in abfebbarer Zeit, das zu feben fein wird, was in diefen beiden Serien zur Schau gebracht wurde. Die Unterftü^ung des Betriebes der Pferdezucht von Seite des Staates ift im modernen Europa eine überall beftebende unleugbare Tatfacbe, die uns bereits feit längerer Zeit als feftftebend überkommen ift; der Beginn der Einflußnahme des Staates auf den Betrieb der Pferdezucht führt zurück bis nach dem Weftfälifcben Frieden, wo durch die langen Unbilden des Dreißigjährigen Krieges Mitteleuropa nahezu an Pferden erfeböpft und beinahe unfähig war, die daniederliegende Wirtfchaft zum Neubetriebe der Pferdezucht zu beleben. Da galt es von Staats wegen einzugreifen, um diefen Kulturzweig überhaupt zu erhalten, ganz befonders aber, um fich zu vergewiffern, daß auch die für den Kriegsfall nötigen Pferde im eigenen Lande ftets vorbanden find. Diefer le^tere Geficbtspunkt bat fich durch die einzelnen Jahrhunderte im Staatsbaushalt in bezug auf die Pferdezucht ftets mehr Geltung verfebafft, ja die ftaatlicbe Unterteilung befebränkte fich faft ausfchließlicb auf militärifebe Zwecke, indem der Landespferdezucbt die Befcbaffung des für Kriegszwecke nötigen Pferde­materiales rückbaltslos übertragen wurde und die Qualität des vorhandenen Pferdebeftandes nahezu ausfchließlicb je nach ihrer Verwendbarkeit für Kriegszwecke in Betracht kam. Auch bei uns fallen die wiebtigften Maß­nahmen der Unterteilung der Pferdezucht unter die Regierungen Kaifer Karls VI., der großen Kaiferin Maria 114

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