Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat
Der Führer durch die FJusftellung. Trophäen aus dem Landler Reviere. Öfterreichifches Reichshaus. Tirol. Senfenfchmied aus dem Kremstale. Öfterr. Reichshaus. Öfterreich ob der Enns. Der anftoßende oberöfterreicbifcbe Saal trug im allgemeinen einen biftorifcben Charakter. Aus Stiften und Klöftern, Schlöffern und Mufeen waren Werke der Kunft und des Kunftgewerbes zufammengetragen, die entweder durch ihren Zweck unmittelbar oder durch ihren Dekor mittelbar mit der Jagd zufammenbingen. Die Inftallation des Raumes, welche ebenfo gefcbmackvoll wie überficbtlicb genannt zu werden verdient, hatte mit jener in dem benachbarten Abteil von Salzburg manches Gemeinfame, welcher Eindruck noch dadurch gehoben wurde, daß unter der Decke an den Hauptwänden, welche beide Ausftellungen umfcbloffen, ein breiter Fries aus Krummbolzzweigen lief, der ficb in das Arrangement des Ganzen vortrefflieb einfügte und deffen Wirkung befonders bob. Rechts vom Eingang an der Wand zwifchen Tür und Saal» ecke war ein Paftell von Franz von Paufinger, darftellend Seine Majeftät den Kaifer Franz Jofepb I. auf der Birfche im Rofenftaudenfchlag oberhalb Jfcbl, zu feben. Feftgehalten ift der Moment, in dem Seine Majeftät am 8. Auguft 1892 nach einem glücklich angebrachten Schuffe felbft dem Anfcbußorte zueilt und, der Schweißfährte folgend, den mächtigen Zebnender verendet auffindet. Das kapitale Geweih prangte in dem oberhalb des Bildes angebrachten Trophäenarrangement, in das zuunterft auch zwei Gehörne von Rebböcken eingefügt waren, welche Kaifer Jofef II. in Oberöfterreich zur Strecke brachte. In der unterhalb befindlichen Vitrine waren Photographien ausgeftellt, welche auf den Jagdaufentbalt Seiner Majeftät des Kaifers Franz Jofepb I. in Oberöfterreicb Bezug hatten. Die anftoßende Längswand war oberhalb der Türöffnung, durch welche man in die anftoßende Ausftellung von Scblefien eintrat, mit einem Hubertusbirfch, rechts und links von demfelben mit wertvollen alten Gemälden, dann einer Kollektion alter deutfeher Armbrüfte aus dem XVII. Jahrhundert und alten Hirfcbgeweiben gefebmiiekt. Unter den Gemälden wären noch zu nennen das Porträt des als leidenfchaftlicber Weidmann bekannten weiland Kamillo Fürften Starbemberg von S. Ajdukiewicz, die Darftellung des Paradiefes von einem Meifter aus der Familie Hamilton und ein intereffantes Renaiffanceepitapb auf einen treuen Jagdhund, welches außer der Darftellung des Hundes folgende Verfe enthielt: »Mein Herrn hab ich mit troi bewacht — drum ift mir der itain gemacht — Delphin war ich von ihm genanth — Hie lig ich Verfcbardt in Sandt — Driw ich Ihm im Leben War — Seind gewefen 17 Jahr.« Das Bild, auf Leinwand gemalt, trägt das Datum 1612 und die Ortsbezeicbnung »St. Veitb in Lanndt ob der Ennsz«. Rechts von der Türöffnung ftand eine Vitrine mit Modellen von Repetierjagdgewebren aus den Acbtzigerjabren, welche weiland Seine kaiferliche Hoheit den Herrn Erzherzog Karl Salvator zum Erfinder haben, links eine folche mit einer Sammlung von Jagdbeftecken. Die Griffe in Bein und Horn gefebnitjt oder aus Holz mit Silber- und Bronze-Montierung mit Perlmuttereinlagen ufw., die Lederfutterale in Blindpreffung oder mit gravierten Bronzebefcblägen. Flankiert war diefe Eingangstüre von zwei aus Brettern ausgefebnittenen, gut bemalten, lebensgroßen Koftümfiguren, darfteilend Senfenfchmiede aus dem Kremstale in voller Jagdausrüftung und der Tracht des XVIII. und XIX. Jahrhunderts. An der näcbften Scbmalwand, in der ficb die Tür nach dem Salzburger Abteil befand, ftand links von derfelben ein in verfebieden gebeiztem Holz reich eingelegtes, zweitüriges Kabinett, innen mit jagdlichen Darftellungen verziert, eine füddeutfebe Arbeit des beginnenden XVII. Jahrhunderts aus der Kunftkammer Oberöfterreicbifcber Saal mit Durchblick in die Satzburger flusftellung. Öfterreichifches Reichsbaus. 78