Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat
Der Führer durch die FJusftellung. in den alten Kulturländern der Fall ift. Immerhin ift es bemerkenswert, daß der ganze Bedarf an Jagdwaffen, Ausrüftungsgegenftänden und jagdlichen Gebrauchsartikeln alljährlich aus der Monarchie bezogen wird und verhältnismäßig ganz anfebnliche Summen in Umfatj fetjt. fluch eine kleine aber ftets waebfende Zahl bildender Künftler, befonders Maler, bat bosnifebes Jagen des öfteren zum Vorwurfe von Bildwerken gemacht. Die literarifchen Erzeugniffe, die vom bosnifcben Weidwerk bandeln, find noch recht fpärlich. In der Tagesund Facbpreffe find, verfaßt von Forfcbern und Jägern, bin und wieder Auffätje erfebienen, in denen auf die Jagd in den in Rede ftebenden Ländern Bezug habende Eindrücke, Stimmungsbilder, Epifoden und Begebenheiten feftgebalten find. In Buchform find bis nun bloß zwei größere Arbeiten erfebienen: »Jagd und Fifcberei in den weftlicben Balkanländern« von Ludwig von Führer und »Das Weidwerk in Bosnien und der Herzegowina« von Fr. B. Laska. Wir wollen nun das Innere des Pavillons mit feinen mannigfaltigen Exponaten in Erinnerung zurückrufen und einleitend bemerken, daß das Komitee bei der Auswahl der zur Ausftellung zu bringenden Objekte beftrebt war, einerfeits die Entwicklung der Jagd in Bosnien und der Herzegowina von ihrem Uranfange bis auf die Gegenwart vorzuführen, anderfeits aber in den zum Teil auch dekorativen Zwecken dienenden Gegenftänden die Leiftungen diefer Länder auf gewerblichen Gebieten, die gewiffermaßen eineSpezialdomäne derfelben bilden, zu zeigen. Der Hauptfaal, in welchen Relief von Bogumilenfteinen. 1/ 6 der natürlichen Größe. Pavillon »Bosnien und Herzegowina-, der Eintritt unmittelbar erfolgte, war im Parterre zum größten Teile zur Unterbringung von Dioramen verwendet, während eine freigebliebene Ecke durch die Anordnung der auf die Galerie führenden Stiege und die reiche Ausfcbmückung mit orientalifeben Teppichen eine ebenfo gefällige wie aparte Ausgeftaltung erhalten bat. Um den ganzen Saal lief in Stockböbe die erwähnte Galerie, von der ficb dem Befcbauer ein effektvoller Blick in das Innere des Raumes darbot. Als Plafond war, entpreebend der beimifeben Bauweife, eine reich getäfelte Holzdecke gewählt worden. Unter den Dioramen zeigte das erfte, rechts von der Eingangstür angeordnete einen Blick auf die Narentamündung. Azurblaue See von blendenden Kalkfelfen eingefcbloffen; als Staffage zwei Mönchsrobben und Möven. Ein Stück Natur von den Küften unterer lieblichen Adria! Anftoßend eine Karftlandfcbaft. Zwifcben Gefteinstrümmern und fpärlicbem Geftrüpp ein Pferdekadaver, an dem ficb Weißkopfgeier zum Mable niedergelaffen haben. Daneben ein Kolkrabe; weiter abfeits, auf einem Felfen aufgehakt, ein Bartgeier. Die treffliche Gruppe, die dem Kundigen eine ganze Reihe von Einzelepifoden vor Augen führte, brachte Raubvögel zur Darftellung, die der Jäger aus den Weftländern meift nur von Erzählungen und Abbildungen her kennt. An diefes Bild febloß ficb eine Darftellung der Jagd auf Steinbühner mit dem Ibram. Gedeckt durch ein Stück Tuch, das primitiv über eine Aftgabel gefpannt ift, befcbleicbt ein wetter- und fonngebräunter Bosniak ein Volk diefer fonft fo überaus febeuen Vögel, um von einer der Güte feiner Scbrotflinte angemeffenen Entfernung unter die neugierig, jedoch vertraut ficb gebärdenden Tiere die volle Scbrotladung zu ftreuen. Über dem Durchgang zum Nebenfaal, an der dem Eingang gegenüberliegenden Wand, war ein Bär zu feben, der, mit einer Pranke im Eifen hängend, die ihn bedrängenden Wölfe abwehrt; an derfelben Wand weiter nach links eine Felspartie mit einem Rudel flüchtiger Gemfen, aus dem ein kapitaler Bock berausgefchoffen wurde. Das Stück, im Feuer geftürzt, zeigte die ebarakteriftifebe Stellung roulierenden Gemswildes. An der näcbften Wand unter ÜHÉ: Relief von Bogumilenfteinen. '/o der natürlichen Größe. Pavillon »Bosnien und Herzegowina« dem öden Karftgebirge von Stolac die weiten Sümpfe des Utovo blato. Im Vordergrunde eine Schilfpartie, bevölkert von zahlreichem Waffer- und Sumpfwild — ein Dorado für den Liebhaber diefer Jagden. Durch einen fchmalenDurchgang, der mit einigen bemerkenswert guten Rebgebörnen gefcbmückt war, gelangte man in den dabinterliegenden Saal — die Tropbäenballe! Hier waren an die taufend Rebgebörne und etwa 200 Gemskrücken zur Schau geftellt. Anlangend die erfteren, wäre vor allem die Mannigfaltigkeit der Formen hervorzuheben. Neben den gewiffen ftämmigen, ftark geperlten Kronen mit dachförmigen Rofen fcblanke und nahezu glatte Exemplare, dann wiederum ausgefproebene Korbgeweibe neben eng, faft parallel verlaufenden Stangen. Als zweites auffallendes Merkmal diefer Kollektion muß die Größe der meiften Stücke hervorgehoben werden, von denen einige direkt phänomenale Dimenfionen aufzuweiten hatten. Dasfelbe kann von den Gemskrücken getagt werden, unter denen ficb gleichfalls ganz vorzügliche Exemplare befanden. An fonftigen Trophäen fah man Bärenhäute, Wolfsdecken, Wildfcbweinfcbwarten und Keilerwaffen fowie Stopfpräparate von allerhand Federwild. 10 I. Teil. 73