Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Andrea Komlosy: Österreichs Brückenfunktion und die Durchlässigkeit des „Eisernen Vorhangs“

Andrea Komlosy Ostexporte fielen im Zeitraum 1975-1979 auf 1,7 Prozent (Osteuropa).73 Die Ursache dafür lag in erster Linie darin, dass die osteuropäischen Staaten ihre Importe nun zu drosseln begannen. In den Handelsbilanzen gegenüber Österreich machte sich dies für Osteuropa 1980 bemerkbar.74 Damit verkehrte sich die österreichische Osthandelsbilanz ins Negative. Die Drosselung der Importe und die Bemühungen zur Steigerung der Exporte verbesserten in den 1980er Jahren zwar in den meisten osteuropäischen Staaten die Handelsbilanz mit dem Westen, trugen jedoch - auf Grund der unvorteilhaften Warenstruktur, der westlichen Importbarrieren sowie der Entwicklung des Zinsniveaus - nicht wie erhofft zum Abbau der Verschuldung bei; der Handlungs­spielraum der RGW-Staaten im West-Ost-Geschäft wurde durch den Devisenmangel daher massiv eingeschränkt. Österreich bekam diese Entwicklung auf Grund seines hohen Osthandelsanteils stärker zu spüren als die OECD-Staaten im Durchschnitt; sein Beitrag zum Gesamtostexport der OECD sank von 8,8 Prozent im Jahr 1965 auf 7,9 Prozent (Osteuropa) bzw. von 4,3 Prozent auf 2,4 Prozent (UdSSR) im Jahr 1978.75 Die österreichischen Forderungen gegenüber den Oststaaten stiegen von 19 Mrd. US-Dollar im Jahr 1974 auf 60 Mrd. im Jahr 1978 an.76 Sie umfassten Bankkredite und Handelskredite österreichischer Unternehmungen. Sie lagen mit sieben Prozent (1978) höher als der österreichischen Anteil an den Ostexporten der OECD (5,2 Prozent). Die Abschwächung der österreichischen Osthandelskonjunktur lag vor allem im geänderten weltwirtschaftlichen Umfeld begründet. Die Ausweitung der wirtschaftlichen Beziehungen mit den Oststaaten erfasst in den 1970er Jahren auch die anderen westlichen Industrieländer und ordnete sich in die Globalisierung der Produktion und die Neuordnung der industriellen Standorte im Weltmaßstab ein. Sie erforderte dementsprechend neue institutioneile Rahmenbedingungen für die Weltwirtschaft und eine Anpassung der Verfahren zur Abwicklung von Handel und Untemehmenskoooperation an die geänderten Bedingungen. Dazu zählten das Abgehen von bilateralen Clearingverfahren im Zahlungsverkehr, der Übergang zur Währungskonvertibilität sowie die Übernahme der GATT-Bestimmungen im Ost- West-Handel. Im Gegensatz zu Osteuropa wies das Exportwachstum in die Sowjetunion keine Verlangsamung auf - vgl. ebenda, S. 70, Übersicht 2. ECE, Economic Survey of Europe, 1987-88. New York 1988, S. 357. Ebenda, S. 73. E b en da, S. 77. 92

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