Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)
Dieter Lautner: Quellen zum Osthandel Österreichs am Beispiel ausgewählter Aktenbestände des Archivs der Republik
Dieter Lautner Ab Mitte der 50er Jahre stabilisierte sich mit der Struktur des Ministeriums auch die Hinterlegungsart und alle Sektionen legten ihre Akten dann nach Signaturen, die sich in den folgenden Jahren nur geringfügig verändern sollten, ab. Erst mit der bereits angeführten Aufspaltung in ein Bundesministerium für Handel, Gewerbe und Industrie und ein Bundesministerium für Bauten und Technik ab 1967 ergaben sich wieder Veränderungen, doch hielten sich diese in Grenzen, da es für die beiden Ministerien nur ein gemeinsames Präsidium gab und somit auch die Registratur in einer einheitlichen Form verblieb. Die Akten erhielten zwar einen eigenen Zahlenstock (jene des Bautenministeriums von ZI. 500 000 aufwärts), aber die Signaturen wurden zu einem überwiegenden Teil aus der Zeit vor 1967 übernommen. Ein großes Problem besteht in der zum Teil sehr großen Unvollständigkeit der Unterlagen, die dadurch verursacht wurde, dass zeitweise vom Ministerium (auch mit Wissen des damaligen Archivars) willkürlich und ohne Bedachtnahme auf die historische Bedeutung skartiert (unter Skartieren versteht man das Vernichten von Akten) wurde. So fehlen von einigen Jahrgängen aus den 60er Jahren erhebliche Teile und von folgenden Jahren die kompletten Akten der handelspolitischen Sektion: 1961, 1965 und 1966. Warum gerade die Akten jener Sektion, der die wahrscheinlich größte geschichtliche Relevanz mit Themen wie der europäischen wirtschaftlichen Integration und eben auch den gerade in diesen Jahren sich mehr und mehr entwickelnden Osthandel zukommt, vernichtet wurden, blieb bis heute ungeklärt. Die Geschäftsbücher (Indizes und Protokolle) sind nach wie vor vorhanden und so bleibt als einzige Möglichkeit die Geschäftsvorgänge dieser Jahre in irgendeiner Form nachzuvollziehen die Suche nach Betreffen in diesen Büchern. Womit auch schon die Brücke zur tatsächlichen Benützung und Forschung in diesem Bestand geschlagen ist: Der grundsätzliche Einstieg in den Bestand geschieht mit der Einsicht in die Indexbücher. Der herkömmliche Vorgang beginnt mit der Bestellung dieser Indexbücher, welche dann bis spätestens zwei Werktage nach Abgabe im Vorbereitungsraum des Benützersaales deponiert werden. Die Indizes der handeis- und industriepolitischen Sektion sind meist mehrbändig und immer alphabetisch strukturiert. Bei jedem Buchstaben gibt es noch zusätzlich eine Unterteilung in Schlagwörter, Namen und Orte - und somit kann man auch nach verschiedenen Kriterien suchen. Das Wichtigste wird bei der Forschung zu Osthandel meist der Landesname sein, der im Bereich Orte zu finden ist, da dort alle in diesem Jahr angefallenen Akten zum jeweiligen Land angeführt sind. Aber selbstverständlich kann man den gleichen Akt auch über die Suche bei den 286