Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)
Dieter Lautner: Quellen zum Osthandel Österreichs am Beispiel ausgewählter Aktenbestände des Archivs der Republik
QUELLEN ZUM OSTHANDEL ÖSTERREICHS AM BEISPIEL AUSGEWÄHLTER AKTENBESTÄNDE DES ARCHIVS DER REPUBLIK Dieter Lautner Österreich ist als kleines Land mit beschränktem Binnenmarkt auf intensive außenwirtschaftliche Beziehungen angewiesen und somit erforderte seit jeher die Öffnung der Grenzen für ausländische Waren besondere Anstrengungen der heimischen Wirtschaft, um der starken Konkurrenz auf den in- und ausländischen Märkten gewachsen zu sein. Die historisch bedingt guten Handelsbeziehungen Österreichs zu Osteuropa gehen auf die Zeit der Monarchie zurück und lebten nach dem zweiten Weltkrieg vor allem mit dem Ende der Besatzungszeit in neuer Form wieder auf. Unter „Osthandel“ wird an dieser Stelle der Handel mit den sozialistisch beziehungsweise planwirtschaftlich geführten Staaten nach 1945 verstanden. Im engeren Sinn handelt es sich um den Handel mit jenen Ländern, die sich im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (kurz RGW genannt) zusammengeschlossen hatten. Dieses wirtschaftliche Bündnis basierte auf einer Wirtschaffsberatung in Moskau am 23. Jänner 1949 und wurde von Vertretern Bulgariens, Ungarns, Polens, Rumäniens, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei gegründet. Am 23. Februar 1949 trat Albanien bei und am 29. September 1950 schließlich die DDR. Im weiteren Sinn sind aber auch jene Staaten dazu zu zählen, welche zwar planwirtschaftlich organisiert waren, aber nicht dem RGW (Europa) unmittelbar angehörten: Jugoslawien, VR China, Mongolische VR, VR Korea, Vietnam und Kuba. Dass sich die Wirtschaftsbeziehungen mit jenen Staaten und damit der Osthandel erst langsam entwickeln mussten und sich erst nach der endgültigen Erlangung der Unabhängigkeit Österreichs 1955 ernsthaft ausweiten konnte, liegt auf der Hand. Die dazugehörigen Wirtschaftsdaten und auch die dafür erforderlichen Wirtschafts-, Handels-, Kooperations- und Kompensationsverträge mit den einzelnen Ländern sind aber nicht das eigentliche Thema dieses Vortrages, sondern vielmehr die Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs/Sonderband 9 283