Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)
Piotr Franaszek: Die Handelsbeziehungen zwischen der Volksrepublik Polen und Österreich in der Zeit von 1945-1989
Export innerhalb von zehn Jahren fast auf das Achtfache gestiegen. Wie nie zuvor, begann Polen nun nach Österreich Wollengewebe, Kleidung, Pelze, Ledergalanteriewaren und Möbel auszufiihren. Ein deutlicher Anstieg ist damals auch beim polnischen Handel von Kristall- und Wirtschaftsgläsem sowie von Porzellanerzeugnissen zu verzeichnen. Eine Zunahme erfuhr auch der Exportwert von polnischem Koks, den Erzeugnissen der Erdölindustrie und Zink bei gleichzeitigem Rückgang der Ausfuhr von Kohle, die jedoch in immer größeren Mengen aus Polen ausgeführt wurde (1 004 Tausend Tonnen im Jahre 1958 gegenüber 1 264 Tausend Tonnen von 1968). Diese Situation war das Ergebnis der rasch zurückgehenden Preise für Kohle (von 19,7 Dollar im Jahre 1958 bis auf 12,5 Dollar im Jahre 1968). Trotz der zunehmenden Werte im Handelsaustausch zwischen den beiden Ländern sank der Anteil Polens am Gesamtimport Österreichs endgültig von 2,9 Prozent im Jahre 1958 bis auf 1,8 Prozent zehn Jahre später, während der Anteil unseres Landes am Gesamtexport Österreichs in diesem Zeitraum von 3,4 Prozent auf zwei Prozent gefallen war. Ebenso fiel der Anteil Österreichs am Gesamtimport Polens im Zeitraum von 1958-1968 von 2,9 Prozent auf 1,8 Prozent, während der Anteil Österreichs am polnischen Gesamtexport von 2,6 Prozent auf 1,4 Prozent gesunken war." Ganz bestimmt waren es keinesfalls Werte, die für beide Partner zufriedenstellend waren, zumal Österreich für Polen einen sehr wichtigen Handelspartner für die Gewinnung vieler moderner Herstellungsverfahren und technischer Lösungen, deren Zugänglichkeit für die Ostblockstaaten weitgehend beschränkt war, darstellte. Die Ausfuhr von Österreich nach Polen war jedoch ziemlich unregelmäßig und unterlag beträchtlichen Schwankungen. Die größten österreichischen Handelspartner für Polen waren damals die Firmen VOEST, Brixlegg, Schoeller-Bleckmann und Böhler. Im Bestreben, seine Position auf dem österreichischen Markt zu stärken, nahm Polen aktiv an den in Österreich veranstalteten Messen teil, vor allem an den Internationalen Messen in Wien und in Graz, der Textilwaren-Messe in Dornbirn, der Messe für touristische Ausrüstung in Innsbruck und der Messe für Landwirtschaftsausrüstung in Wels.11 12 Die Zeit von 1970 bis 1989 Die Entwicklung einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Polen war für Österreich eine Möglichkeit, den Zugang an die Märkte der sozialistischen Länder zu vergrößern, und versetzte Österreich auch in die Lage, sich eine größere Unabhängigkeit von der Wirtschaft der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu sichern. In den 70er Jahren, als sich die Politik der polnischen Regierung zunehmend für die Kontakte mit den westeuropäischen Ländern zu öffnen begann, Die Handelsbeziehungen zwischen der Volksrepublik Polen und Österreich 11 Ebenda, S. 102-106; Statistisches Jahrbuch. Warszawa 1959, S. 252-253; 1969, S. 364-365. 12 S i ko rs k i : Polska-Austria, S. 108. 191