Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Piotr Franaszek: Die Handelsbeziehungen zwischen der Volksrepublik Polen und Österreich in der Zeit von 1945-1989

Piotz Franaszek Eisenbahnausrüstung, Laborgeräte, Stahl und Autoreifen. Die Liste B enthielt dagegen Kohle, Zinkpulver und Zink, wie auch Eier, Federn, Flaum und sonstige landwirtschaftliche Produkte. Diesbezüglich glich diese Liste dem Verzeichnis der polnischen Ausfuhrwaren nach Österreich in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.7 Trotz der Anknüpfung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in der Zeit von 1945 bis 1949 ging der Anteil Österreichs am polnischen Import abrupt auf knapp 1,9 Prozent der polnischen Gesamteinfuhr aus den kapitalistischen Ländern zurück, während die Ausfuhr aus Polen in diese Länder fast gleichbleibend (5,9 Prozent) war. ln der Durchfiihrungszeit des so genannten Sechsjahrplanes in Polen (1950- 1955) stieg der Anteil Österreichs am Import aus den kapitalistischen Ländern nach Polen bis auf 7,2 Prozent, und der Export aus Polen nach Österreich erreichte einen Wert von 8,6 Prozent. Dieser Anstieg war umso bezeichnender, als er ausgerechnet in die Zeit des „Kalten Krieges“ fiel, einer Periode, in der die Konfrontation der Länder des sowjetischen Blocks mit den kapitalistischen Ländern eine Verstärkung erfuhr. Diese Konfrontation wirkte sich auch negativ auf die Ergebnisse des polnischen Außenhandels aus. Besonders drastisch war diese Situation bei der polnischen Wareneinfuhr aus den USA, deren Anteil in dieser Zeit bis auf 0,6 Prozent (von 12,2 Prozent in der Zeit von 1945-1949) fiel. Der Umstand, dass Österreich vom militärischen und politischen Block der mit den USA verbundenen Ländern fern blieb, bewirkte, dass es in der betreffenden Zeit zum drittgrößten Handelspartner Polens unter den kapitalistischen Ländern (nach Großbritannien und Schweden) wurde.8 Seit seiner Unterzeichnung im Jahre 1954 wurde das Abkommen jedes Jahr automatisch verlängert, ohne dass es nötig war, neue Verträge zu schließen. Überprüft und ergänzt wurden nur die Listen der für den Austausch vorgesehenen Waren. Die Anzahl von Posten in der Liste A von 1954 betrug 84 im Vergleich zu 71 in dem Vertrag von 1949; Polen dagegen bot Österreich 58 unterschiedliche Arten von Waren zum Kauf an (gegenüber 21 von früher). Von großer Bedeutung für Österreich war auch die Nutzungsmöglichkeit der polnischen Ostsee-Häfen für den Transit österreichischer Waren. Vorherrschend in der polnischen Ausfuhr waren nach wie vor Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte. Eine Neuerung stellen allerdings die Mitte der 50er Jahre angebotenen Werkzeugmaschinen und sonstige Ausrüstungen für die Maschinenindustrie dar. Im Jahre 1962 wurde die erste langfristige Wirtschaftsvereinbarung geschlossen. Sie umfasste eine Zeitspanne von fünf Jahren, und das Warenangebot der Liste „A“ stieg auf 100 Posten, das der Liste B dagegen auf 78 Posten an. Im ersteren Fall bedeutete dies eine Zunahme um 20 Prozent, im letzteren dagegen sogar um 33 Prozent. 1967 wurde Polen zum GATT-Mitglied; damit eröffnete sich für Polen 7 S i kor s k i : Polska-Austna, S. 90-95. 8 Wojciechowski: Handel zagraniczny (Außenhandel), S. 394-395. Compendium statystyczne polskiego handlu zagranicznego, S. 205-206, 291-293. 188

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