Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Piotr Franaszek: Die Handelsbeziehungen zwischen der Volksrepublik Polen und Österreich in der Zeit von 1945-1989

DIE HANDELSBEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER VOLKSREPUBLIK POLEN UND ÖSTERREICH IN DER ZEIT VON 1945-1989 PlOTR FRANASZEK Einleitung Der Untergang der Österreichisch-Ungarischen Monarchie im Jahre 1918 machte es möglich, in den entstehenden polnischen Staat das Gebiet von Galizien, d. h. die nördliche Provinz der Monarchie, einzugliedem. Die Zugehörigkeit Galiziens zum polnischen Staat wurde vom Rat der Botschafter am 15. März 1923 endgültig beschlossen. Man hörte auch damit auf, jenes Gebiet als Galizien zu bezeichnen, da dieser Name von den Österreichern nach der ersten Teilung Polens eingeführt worden war; dafür wurde auf die historische Bezeichnung „Kleinpolen“ zurückgegriffen. Der vorherrschende Industriezweig Galiziens war die Erdöl­industrie, von der die größten Anteile dem deutschen und österreichischen Kapital zufielen. Eine der grundlegenden Fragen, die es nach dem Ersten Weltkrieg möglichst rasch zu lösen galt, war eben die Übernahme der Erdölbetriebe aus den Händen des deutschen und österreichischen Kapitals. Die Durchführung dieser Aufgabe wurde durch den Beschluss der siegreichen Entente-Mächte erleichtert, mit dem der Zwangsaufkauf der Besitze der österreichischen und deutschen Firmen außerhalb der Grenzen Österreichs und der Weimarer Republik gebilligt wurde.1 Hierzu entstand in London das „Internationale Komitee zum Schutz der Erdölinteressen in Galizien“, dem die Vertreter u. a. des englischen, französischen und belgischen Kapitals angehörten. Das Komitee lehnte sich entschieden gegen die Pläne auf, das ostgalizische Erdölförderungsgebiet zwischen Polen und der Ukraine zu teilen, zumal sich die Raffinerien im westlichen Teil befanden. Unabhängig von den Maßnahmen des Komitees, setzte das französische Kapital durch, die bis dahin zu dem deutschen und österreichischen Kapital gehörenden Gesellschaften auf eigene Faust aufzukaufen.2 Landau, Zbigniew/To masze ws k i, Jerzy: Anonimowi wtadcy. Z dziejow kapitalu obcego w Polsce (1918-1939) (Die anonymen Herrscher. Aus der Geschichte des fremden Kapitals in Polen von 1918-1939). Warszawa 1968, S. 55. Franaszek, Piotr: Kapital francuski w procesie centralizacji kapitalu w polskim przemysle naftowym 1920-1939. (Das französische Kapital im Prozess der Kapitalzentralisierung in der polnischen Erdölindustrie von 1920 bis 1939). In: Studia Historyczne XXIX (1986), S. 229-243, hierS. 233. Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs/Sonderband 9 185

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