Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Christoph Boyer: Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und der Sowjetischen Besatzungszone in Deutschland (SBZ) bzw. der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) (1945-1989/90)

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und der Sowjetischen Besatzungszone Außenhandel konzentrierte sich nun auf die Bundesrepublik Deutschland, die Vereinigten Staaten, Großbritannien, die Schweiz, Italien, Frankreich und Jugoslawien; 1952 entfielen 65 Prozent des Außenhandelsvolumens auf diese sieben Länder. Speziell die Importe aus Westdeutschland machten nun 21,6 Prozent der österreichischen Importe insgesamt aus; auf Deutschland in den Grenzen von 1937 - dies als eine grobe Vergleichsgröße - war ein Anteil von 17 Prozent entfallen. Die Exporte in die Bundesrepublik hatten einen Anteil von 20,1 Prozent am österreichischen Gesamtexport (hier hatte 1937 der Anteil des Deutschen Reichs 15 Prozent betragen). Korrespondierend hierzu hatte sich unter dem Einfluss der „amerikanischen Wirtschaftsdiktatur“ der Handel Österreichs mit Ost- und Ostmitteleuropa signifikant verringert: 1952 machten Importe aus den sozialistischen Ländern nur mehr 11,3 Prozent aller österreichischen Importe aus (1937 hatte der Anteil der Importe aus den „Vorgängerstaaten“ noch 33,9 Prozent betragen). Die Anteile auf der Exportseite machten 12,9 bzw. 28,5 Prozent (Vergleichsgröße aus 1937) aus.2 2. Der Handel, zunächst mit der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland, dann der DDR, lag also abseits der neuen Hauptrichtung der österreichischen Außenwirtschaftsbeziehungen. Weil die Staatlichkeit der DDR nach ihrer Gründung im Jahr 1949 auf Grund des westdeutschen Alleinvertretungsanspruchs für eine Zeitspanne von beträchtlicher Dauer umstritten war und das „zweite Deutschland“ auf der internationalen Bühne keine politisch-diplomatische Größe darstellte, waren die österreichisch-ostdeutschen Wirtschaftsbeziehungen zunächst nicht durch eine offizielle zwischenstaatliche Übereinkunft geregelt; der bilaterale Handel wurde auf Kompensationsbasis und auf quasi-privater Grundlage, unter Einschaltung der österreichischen Firma Wagner und der Sowjetischen Unternehmen in Österreich (USIA), abgewickelt.3 In absoluten Wertgrößen stieg der Warenaustausch zwischen 1951 und 1953, also binnen kurzem, signifikant an: von 3,6 auf 11,4 Millionen Dollar (DDR-Importe) bzw. von 4,99 auf 9,95 Millionen Dollar (DDR-Exporte).4 Diese isolierten Angaben vermitteln allerdings ein irreführendes Bild: der ostdeutsche Anteil am öster­reichischen Gesamt-Außenhandel bewegte sich nämlich zwischen ein bis zwei Prozent; von ebenso peripherer Bedeutung war der Österreichhandel für die DDR. Die DDR exportierte in erster Linie Braunkohlebriketts, Kalidünger, Ammonium­2 „Deutschland in den Grenzen von 1937" und die „Vorgängerstaaten" sind natürlich nur sehr bedingte Vergleichsgrößen. 3 BArch-B, DL 200, 3. Vermerk über Rücksprache mit dem Rechtskonsulenten der Österreichischen Bundeskammer für gewerbliche Wirtschaft, 6.9.1953. - Ebenda, Voranalyse Österreich, 30.11.1953. - Vgl. zu den Beziehungen zwischen Wagner und der KPÖ, überhaupt zur Rolle der KPÖ-Unternehmen in den Handelsbeziehungen mit den sozialistischen Ländern den Beitrag von Roman Stolzlechner in diesem Band. 4 BArch-B, DL 200, 3, Voranalyse Österreich, 30.11.1953. 167

Next

/
Thumbnails
Contents