Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Roman Stolzlechner: Österreichs Wirtschaftsbeziehungen mit der DDR und die Bedeutung der KPÖ-Firmen

von Defiziten) hatte und nicht die eines auf Arbeitsteilung innerhalb derselben Warengruppe basierenden Austausch. Der RGW schuf sich zwar schon 1957 eine Verrechnungskammer für das „Clearing“ (d. h. die multilaterale Verrechnung gegenseitiger Forderungen aus dem bilateralen Handels- und Zahlungsverkehr) und ab 1964 verrechnete die „Internationale Bank für wirtschaftliche Zusammenarbeit“ (BWZ) den Handel über den „transferablen Rubel“ (TR), tatsächlich war der TR aber weder transferabel noch diente er als allgemeines Wertmass oder Akkumulationsmittel. Vielmehr wurden seit 1975 rund neun Prozent des RGW- Handels in US-Dollars abgewickelt. Der Anteil des DDR-Außenhandels am BNP war 1966-1970 14,7 Prozent und 1973 18,5 Prozent. Der Anteil des österreichischen Außenhandels am BNP war z. B. 1977 40 Prozent, was den Export, und 45 Prozent, was den Import betrifft. Die BRD nimmt dabei mit 42 Prozent des Imports und 27 Prozent des Exports eine dominierende Stelle ein. Anfang 1970 war die DDR also immer noch der unbedeutsamste Handelspartner Österreichs in Osteuropa.7 8 Die politischen Beziehungen zwischen der DDR und Österreich wurden im Verlauf der 70er Jahre aber immer besser. Österreich nahm bereits - sehr zum Ärgernis der BRD - am 21.12.1972 diplomatische Beziehungen zur DDR auf und 1974 schlossen die beiden Staaten ein Konsularabkommen, das auch die faktische Anerkennung der DDR- Staatsbürgerschaft bedeutete. Dennoch bewegten sich die Wirtschaftsbeziehungen auch zwischen 1970 und 1979 auf einem relativ geringen und konstanten Niveau. Etwa 1,1 Prozent der Ausfuhr Österreichs gingen in die DDR, während der Anteil der DDR an der Einfuhr Österreichs ca. 0,6 Prozent ausmachte. Auf die Erdölkrise von 1973/4, die in Österreich mit etwas Verzögerung eintrat, reagierte die österreichische Regierung unter anderem mit öffentlichen Aufträgen an die Privatwirtschaft, die sich im Vergleich zu den Jahren davor um ungefähr 50 Prozent erhöhten. Es gelang aber auch den Exportanteil in COMECON-Staaten, nach Jugoslawien und in den Nahen Osten massiv zu steigern. Er betrug schließlich 20 Prozent der Gesamtexporte.* Diese Tatsache zeigt recht anschaulich, dass die österreichische Neutralitätspolitik, fern von humanistischen Überlegungen, dem österreichischen Kapital gute Dienste erwies, ln diesem Zusammenhang sind auch die Bemühungen Österreichs zu verstehen, die politischen Beziehungen zur DDR zu verbessern. Österreichs Wirtschaftsbeziehungen mit der DDR und die Bedeutung der kPÖ-Firmen 7 Wölfing, Manfred: Die Industriestruktur in Österreich und in der DDR - eine komparative Studie. In: Forschungsberichte, hrsg. vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (W1IW). Juli 1980, Nr. 63. 8 Löw, Raimund: Glanz und Grenzen der österreichischen Sozialdemokratie, ln: Die Internationale Nr. 17. Frankfurt/Main 1982. 159

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