Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Maren Seliger: KPÖ-Firmen und Osthandel 1945-1989. Rahmenbedingungen und einige Aspekte der Außenhandelspraxis

Maren Seliger wollten, was sie nicht durch die USIA oder durch andere getarnte Firmen über die Grenze bekamen.“41 Die vereinbarten Ablöselieferungen für die USIA-Betriebe legten jedenfalls die Basis für einen relativ bedeutenden Handel Österreichs mit der Sowjetunion in den Jahren nach 1961. Der 1955 gewonnene Neutralitätsstatus sollte Österreich, auch geographisch zwischen den Blöcken gelegen, zu einer bedeutenden Rolle im Ost-West-Handel verhelfen. Dies galt bereits für die Zeit des noch andauernden „Kalten Krieges“, im verstärkten Maße in der ab Mitte der 60er Jahre einsetzenden Entspannungsphase. Bestehende Handelsbeschränkungen konnten unter Einschaltung eines „neutralen“ Handelspartners umgangen werden, auch für den Ostblock waren Reisen und Kontakte ins neutrale Österreich leichter und unproblematischer zu realisieren als in ein NATO-Mitgliedsland. Erst in den 80er Jahren musste sich Österreich auf Druck der USA zu Exportkontrollen bei Hochtechnologieprodukten verpflichten, was vor allem den Transithandel betraf.42 Vorteilhaft für die Rolle Österreichs im Ost-West-Handel war auch die lange Beibehaltung der Clearing-Verrechnung von 1949 bis in die 70er Jahre,43 die in Österreich länger als in anderen westlichen Ländern angewendet wurde und eine günstige Voraussetzung darstellte, mit den devisenarmen Osthandelsländern ins Geschäft zu kommen. Zum Ausgleich allfalliger Überhänge wurde eine Reihe von Handelstechniken entwickelt, die den Warenaustausch zwischen West und Ost begünstigten. All die genannten Faktoren führten dazu, dass Österreich nach Finnland von allen zum Westen zu zählenden Ländern den höchsten Osthandelsanteil am Außenhandel zu verzeichnen hatte.44 Galten diese Ausgangsbedingungen generell, so auch für die KP-Firmen. Die früh begonnene Etablierung im Warenaustausch mit dem Osten auf der Basis privilegierten Zugangs und bei zunächst bestehender Zurückhaltung anderer Firmen verschaffte den Firmen der „Kommerz-Kommunisten“ nach dem Ende der Besatzungszeit vermutlich einen Vorsprung, der noch durch den frühzeitigen 41 Ebenda. 42 Luif, Paul: Integrationspolitik - außen(wirtschafts)politische und komparative Aspekte. In: Handbuch des politischen Systems Österreichs. Die Zweite Republik, hrsg. von Herbert Dachs, Peter Gerlich, Herbert Gottweis, Franz Homer, Helmut Kramer, Volkmar Lauber, Wolfgang C. Müller, Emmerich Talos. Wien 1997, 3. erw. u. völlig neu bearb. Aufl., S. 759-771, hier S. 764 f. 43 Diringer, Friedrich: Der österreichische Osthandel von 1918 bis 1980. Diplomarbeit Wirtschaftsuniversität Wien 1982, S. 20 f. 44 Pale, Karl: Österreich als Drehscheibe im Ost-West-Handel. In: Europäische Rundschau Nr. 2/1987, S. 29-33, hier S. 30. S t an ko v s k y, Jan: Österreichs Osthandel seit der Wende 1989. In: Monatsberichte des Instituts für Wirtschaftsforschung Nr. 10/1989, S. 665-678, hier S. 675. Sager: Getarnte Firmen, S. 7 f. 118

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